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17. September 2025

DLR zeigt Wege zur Beseitigung von Mobilitätsarmut auf

Institut für Verkehrsforschung hat Entwicklungen der Mobilitätsarmut in Hessen untersucht

Ungenutzte Bahnschienen, von Gras überwuchert
Credit: Loyloy Thal auf Pixabay

Klimaziele erreichen und gleichzeitig Mobilitätsarmut vermeiden – ein herausfordernder Auftrag an die Politik. Wie das gelingen kann, hat das DLR Institut für Verkehrsforschung nun für Hessen im Auftrag des Wissenschaftlichen Klimabeirats Hessen in einer Studie untersucht. Grundlage der Empfehlungen bilden die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2018 und die Befragung zur Mobilität in Deutschland (MiD) 2017.

Mobilitätsarmut ist bereits heute ein Problem, steigende Kraftfahrstoffpreise können es verschärfen

Schon heute ist fast jeder fünfte Haushalt in Hessen mobilitätsarmutsgefährdet. Doch was genau heißt Mobilitätsarmut eigentlich? Mobilitätsarmut ist ein mehrdimensionales Phänomen, das im Ergebnis zu Einschränkungen bei der Ausübung alltäglicher Aktivitäten von Menschen – wie Erholung, Versorgung, soziale Teilhabe, Bildung usw. – führen kann.

Einschränkungen können zum Beispiel dadurch entstehen, dass zu wenige Verkehrsangebote verfügbar oder diese nicht erschwinglich sind. Auch eine schwere Erreichbarkeit von relevanten Zielorten, wie dem Arbeitsort, Freizeitstätten oder Einkaufsgelegenheiten, können zu solchen Einschränkungen führen. Menschen können Limitierungen auch dadurch erleben, dass sie viel Zeit für ihre täglichen Wege benötigen, z. B. weil die Kindertagesstätte schlecht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.

Die Studie unterscheidet vor diesem Hintergrund zwei Typen von Mobilitätsarmut:

Typ eins bezieht sich auf die Chancen, dass Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten relevante Aktivitäten ausführen können. Die Mobilitätsarmut dieses Typs trifft insbesondere einkommensschwache Haushalte auf dem Land, die keinen Pkw nutzen können und mit dem ÖPNV nur noch sehr eingeschränkt irgendwohin kommen. Typ zwei bezieht sich auf eine mobilitätsbedingte finanzielle Belastung, d.h. wenn die Ausgaben für Mobilität so hoch sind, dass sie das Haushaltsbudget übermäßig belasten.

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Anzahl der mobilitätsarmen Haushalte des Typs zwei in Hessen bei steigenden fossilen Kraftstoffpreisen weiter zunehmen kann und bereits auch mittlere Einkommensgruppen finanziell unter Druck gesetzt werden können.

„Wenn die Preise für fossile Kraftstoffe steigen, wie es z. B. vom klimapolitischen EU-Instrument ETS 2 im Sinne der Lenkungswirkung beabsichtigt ist, erwarten wir auch eine Verschärfung der Mobilitätsarmut. Damit durch Klimaschutzmaßnahmen keine sozialen Härten entstehen, ist es wichtig, rechtzeitig geeignete Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die gefährdete Haushalte gezielt entlasten. Im Bund wird dazu seit einigen Jahren z. B. das Klimageld diskutiert. Auf Landesebene gibt es weitere Ansätze, mit denen die Bekämpfung von Mobilitätsarmut und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können.“

Dr. Kerstin Stark, Projektleiterin der Studie

Handlungsmöglichkeiten für eine sozial gerechte Klimapolitik

In der Studie wurden daher drei Ansatzpunkte für Maßnahmen identifiziert, mit denen sowohl eine Verringerung von Mobilitätsarmut als auch klimapolitische Ziele erreicht werden können: Eine Verringerung der Autoabhängigkeit, raumordnerische und organisatorische Maßnahmen, die darauf abzielen, Wege zu verkürzen und zu flexibilisieren, sowie eine finanzielle Entlastung der Haushalte.

Jede politische Ebene hat dabei andere Einflussmöglichkeiten. Auf Landesebene können insbesondere Gesetze, Leitlinien und Förderinstrumente helfen, die Kommunen dabei zu unterstützen, Maßnahmen gegen Mobilitätsarmut aufzulegen. Zu geeigneten Maßnahmen gehören zum Beispiel die Förderung von sozialer Infrastruktur und Nachbarschaftsnetzwerken im ländlichen Raum, Anreize für Kommunen, ihre Gewerbe- und Wohngebiete unter der Vorgabe der Verkehrsvermeidung, d.h. mit möglichst kurzen Wegen, zu entwickeln, aber auch die Förderung von Mobilitätsgutscheinen und sozialem Carsharing auf dem Land. Generell lässt sich sagen, dass eine bessere Anbindung der ländlichen Gegenden durch den ÖPNV gegen jeglichen Typ von Mobilitätsarmut helfen kann.

„Wir haben mit dieser Studie einen Fokus auf das Land Hessen gelegt. Grundsätzlich lassen sich die Erkenntnisse jedoch auch auf andere Länder übertragen. Aufgrund der nicht unwesentlichen Unterschiede zwischen den Bundesländern wäre es aber besser, jedes Bundesland in dieser Tiefe zu untersuchen, um zum Beispiel raum- und sozialstrukturelle oder auch poltisch-administrative Unterschiede zu identifizieren und maßgeschneiderte Empfehlungen für Maßnahmen ableiten zu können. Wir freuen uns daher über Anfragen aus anderen Bundesländern“,

so Dr. Kerstin Stark, Projektleiterin.

Zur hier vorgestellten Hessen-Studie auf der Webseite des Klimabeirats Hessen (PDF-Download).

Darüber hinaus hat das Institut für Verkehrsforschung bereits eine Studie im Auftrag der Agora Verkehrswende verfasst, die sich dem Thema unter dem Titel ‚Mobilitätsarmut und soziale Teilhabe in Deutschland‘ auch deutschlandweit annimmt.

Kontakt:

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Verkehrsforschung
Instituts- und Strategieplanung
Rudower Chaussee 7, 12489 Berlin
www.dlr.de/vf/

 

Pressemitteilung DLR vom 17.09.2025

Außeruniversitäre Forschung Grand Challenges Mobilität Kultur und Leben Verkehr / Raumfahrt

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