Eine Zierkirsche für den Neubau: In der Adlershofer Repräsentanz der Messtechnikfirma Mitutoyo ist japanische Kultur spürbar

26. Juni 2019

Eine Zierkirsche für den Neubau

In der Adlershofer Repräsentanz der Messtechnikfirma Mitutoyo ist japanische Kultur spürbar

Mitutoyo © WISTA Management GmbH

Jeannette Schinköth und Ralph Streckfuß in der neuen Mitutoyo-Dependance in Adlershof. Bild: WISTA Management GmbH

„Mit einer Bügelmessschraube hat alles angefangen“, sagt Ralph Streckfuß und legt ein geschwungenes, grau metallen schimmerndes Werkzeug auf den Tisch. Der Leiter der Adlershofer Niederlassung des japanischen Unternehmens Mitutoyo dreht an der Messschraube. Länge und Breite des Messobjekts lassen sich bis auf hundertstel Millimeter genau ablesen.

Das reichte aus, als Yehan Numata 1934 seine Firma Mitutoyo gründete. Heute werden Genauigkeiten bis in den Nanometer-Bereich (millionstel Millimeter) erreicht. Softwaregesteuerte Messmaschinen haben Mitutoyo zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Präzisionslängen- und Fertigungsmesstechnik gemacht. Geräte für Härteprüfung, Koordinaten- oder Formmessung gehören zum Angebot, ebenso wie optische Apparate, Sensorsysteme oder Handmessgeräte mit elektronischer Datenübertragung.

Die Adlershofer Niederlassung präsentiert auch tonnenschwere Apparate, die etwa zur Präzisionsmessung in der Automobilindustrie oder im Maschinenbau eingesetzt werden. „Die einzelnen Komponenten, vom Scheinwerfer zum Sitz, vom Kotflügel zum Airbag werden weltweit produziert und müssen am Produktionsort haargenau zusammengesetzt werden“, sagt Streckfuß. Auch bei kleineren Objekten, etwa in der Medizintechnik für die Herstellung von Endoprothesen oder Skalpellen, muss alles exakt zusammenpassen.

Die Maschinen entstehen fast ausschließlich in Japan, die Software wird auch in Deutschland oder den USA entwickelt. Da die Produkte sehr langlebig seien, ergebe sich eine kontinuierliche Beziehung zwischen Herstellern und Kunden, sagt Streckfuß. Das könnten 20 bis 30 Jahre sein – „also fast wie verheiratet“, fügt der studierte Feinwerktechniker lachend hinzu. Entsprechend wichtig seien intensive Schulung der Kunden und technische Beratung während der gesamten Lebensdauer der Geräte.

Diesen Service bietet die rund 700 Quadratmeter große Niederlassung mit Schau-, Konferenz- und Schulungsräumen sowie einem vollklimatisierten Feinmessraum. An der silbergrauen Fassade prangt in orangefarbenen Lettern der Name des Hochtechnologieunternehmens, das mittlerweile in mehr als 100 Ländern präsent ist. Auch die Ausstattung im Innern trägt Akzente in der Firmenfarbe Orange. Fotos etwa vom heiligen Berg Fujijama erinnern an das japanische Mutterland.

In Europa ist Mitutoyo seit 1968 vertreten, in Deutschland gibt es sechs Niederlassungen mit insgesamt 400 Beschäftigten. „In Adlershof werden elf Mitarbeiter für Service, Beratung und Schulung der Kunden da sein“, sagt Streckfuß. Beim Neubau, der die Berliner Niederlassung in Bohnsdorf ersetzt, werden Energieeffizienz und smarte Gebäudetechnik großgeschrieben.

Die offizielle Eröffnung ist für September vorgesehen. Auch Vertreter des Düsseldorfer EKO-Haus der Japanischen Kultur e. V. werden kommen, schließlich geht dieses Zentrum buddhistischer Lehre auf Initiative und finanzielle Unterstützung von Mitutoyo-Gründer Numata zurück. In einem feierlichen Akt wird an der Adlershofer Repräsentanz eine japanische Zierkirsche – Symbol für Leben, Stärke und Widerstandsfähigkeit – gepflanzt werden.

Dass es sich hier gerade um drei Eigenschaften handelt, ist kein Zufall, denn die Zahl Drei ist bedeutsam im kulturellen und geistlichen Leben Japans. Deshalb finden sich die Vorsilben „Mitu“ oder „Mitsu“, auf Japanisch „Drei“, in vielen Firmennamen. So auch in „Mitutoyo“, was übersetzt etwa „Die Fülle der drei Elemente“ bedeutet. Yehan Numata, Sohn eines buddhistischen Tempelpriesters, interpretierte es als „Innovationsbereitschaft, Fairness und Zukunftsorientierung“.

Von Paul Janositz für Adlershof Journal

 

 

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