Fachliteratur in Bits und Bytes: Die Bibliothek der Berliner Humboldt-Universität ist gefragter denn je

27. April 2017

Fachliteratur in Bits und Bytes

Die Bibliothek der Berliner Humboldt-Universität ist gefragter denn je

Andreas Degkwitz. Bild: © Adlershof Journal

Andreas Degkwitz treibt die Digitalisierung des HU-Bibliotheksbestandes voran. Bild: © Adlershof Journal

Auch im Zeitalter der Digitalisierung werden Bibliothekare keineswegs arbeitslos. An der Humboldt-Universität zu Berlin geben sie Tipps zur effizienten Onlinerecherche, scannen alte Bücher ein und unterstützen zunehmend Forscher dabei, Studien und Daten zu veröffentlichen – manchmal sogar Ton- und Bilddokumente.

Der Direktor einer Universitätsbibliothek muss viel lesen. Wie hält es so jemand im Zeitalter der Digitalisierung mit der Frage „online oder Papier“? „Längere Texte lese ich am liebsten auf Papier“, sagt Prof. Andreas Degkwitz, der die Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) leitet. Auch Kommentare fügt der Altphilologe nur ungern digital in einen Text ein. Den Bildschirm nutzt Degkwitz vor allem, wenn er schnell etwas lesen will.

Der Computer hat für Bibliotheken viel verändert. Wichtig ist heute, die digital vorliegende Fachliteratur effizient zu verwalten und den Zugang sowie die Recherche zu erleichtern. Die Nutzer der HU-Bibliothek starten mit der Suchmaschine „Primus” ins digitale Reich. „Mit ‚Primus‘ kann man sogar auf der Ebene einzelner Zeitschriftenartikel recherchieren“, sagt Degkwitz. Diese Möglichkeit werde sehr geschätzt. Auf dem „edoc-Server“ der HU-Bibliothek sind Doktorarbeiten und andere Veröffentlichungen abrufbar, zum Beispiel Konferenzberichte.

Alte Bücher werden nach und nach digitalisiert, vor allem Bände aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das ist zum Beispiel für die Privatbibliothek der Gebrüder Grimm mit ihren fast 6.000 Bänden oder Nachlässe von Koryphäen wie Robert Koch vorgesehen. „Für historisch ausgerichtete Forschungsvorhaben ist das höchst relevant“, sagt Degkwitz. Bisher ist allerdings erst ein Bruchteil der papiernen Bände digitalisiert worden.

Für Naturwissenschaftler sind historische Schriften oft weniger bedeutsam. Ihr Interesse gilt der neuesten Fachliteratur, und die steht online. Trotzdem besuchen Forscher und manche Unternehmensmitarbeiter gerne die HU-Zweigbibliothek für Naturwissenschaften im Erwin Schrödinger-Zentrum auf dem Campus Adlershof, wo es 430 Arbeitsplätze gibt. Pro Tag kommen zwischen 500 und 1.500 Besucher in die Bibliothek, von denen die meisten aber Studierende sind. „Viele gehen dorthin, um in Ruhe zu arbeiten oder um sich zu treffen“, meint der Direktor. In den Instituten seien solche Orte eher selten geworden. Wichtig ist für die Studierenden auch der freie Zugang zu den mehr als 300.000 E-Books – ein Format, das zunehmend akzeptiert wird.

Bibliothekare bemühen sich heute, vor allem den Arbeitsprozess der Wissenschaftler zu unterstützen, sagt Degkwitz. Sie würden zum Beispiel helfen, Forschungsdaten zu publizieren und zu speichern. Wie erfasse ich Metadaten, also Daten, die meine Daten beschreiben? Wie gelange ich an einen „Digital Object Identifier“ (DOI) für meinen Datensatz? Um solche Fragen geht es. „Angereicherte Publikationen“ können heute Kommentare, aber auch Ton- und Videodateien enthalten. Beispielsweise kann ein Ornithologe einem Artikel über eine Vogelart entsprechende Aufnahmen beifügen. Bibliothekare werden zu Beratern und Unterstützern bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Sie müssten heute mehr über den speziellen Bedarf einzelner Fachdisziplinen wissen als früher, sagt Degkwitz. Die Zweigbibliothek im Erwin Schrödinger-Zentrum betreut die Fächer Chemie, Physik, Geographie, Mathematik, Informatik und Psychologie.

In Adlershof befindet sich auch das Magazin. Darin sind ein Teil der sechs Millionen Bände der HU-Bibliothek und das Universitätsarchiv untergebracht. Die Archivierung des digitalen Bestands will ebenfalls garantiert sein. Laut Degkwitz handelt es sich dabei sogar um eine der größten Herausforderungen. Die Speicherung und Formatierung der Dateien muss eine dauerhafte und flexible Nutzung erlauben; Werkzeuge zur weiteren Verarbeitung sollten verfügbar sein. „Wir müssen die Tradition der langfristigen Nutzung von Materialien, die stark auf gedruckten Veröffentlichungen beruht, bei den digitalen Publikationen fortsetzen“, sagt Degkwitz.

Von Sven Titz für Adlershof Journal

www.ub.hu-berlin.de

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