Flusswasser und Tiefenspeicher: Energieversorgung von der BTB soll grüner werden

14. September 2021

Flusswasser und Tiefenspeicher

Energieversorgung von der BTB soll grüner werden

David Weiblein, BTB-Baustelle © WISTA Management GmbH

Der BTB-Anlagenpark wächst: David Weiblein auf der neuen Baustelle © WISTA Management GmbH

Solange sie funktioniert, nehmen wir sie gar nicht wahr. Die Infrastruktur unserer Städte ist einfach da, unter unseren Füßen und über unseren Köpfen. Für uns meist ganz selbstverständlich. Bemerkt wird erst der Ausfall. Damit es dazu nicht kommt, arbeiten Energie- und Wärmeversorger wie die BTB GmbH Berlin an vernetzten, smarten Lösungen. Denn „dezentralen, dekarbonisierten und intelligent gesteuerten Energiesystemen gehört die Zukunft“, sagt David Weiblein, Geschäftsführer der BTB.

Berlin wächst. Der wachsenden Bevölkerung und deren Bedürfnissen gerecht zu werden, erfordert bessere Infrastruktursysteme. Solche, die nicht mehr nur reaktiv, sondern vorausschauend, effizient und proaktiv sind. Die Digitalisierung soll aus bestehender Infrastruktur smarte Infrastruktur machen. Dabei kommen Bausteine wie neue IT-Plattformen oder künstliche Intelligenz zum Einsatz.

Bereits seit 1990 plant, realisiert und betreibt die BTB Blockheizkraftwerks- Träger- und Betreibergesellschaft mbH Berlin hocheffiziente, maßgeschneiderte Versorgungsanlagen und -netze und gehört heute zu den größten Energieversorgern im Großraum Berlin. Im Berliner Südosten betreibt das Unternehmen mehrere Heizkraftwerke und ein regionales Fernwärmeverbundnetz mit einer Länge von etwa 150 Kilometern. Damit spiele man in einer Liga von Stadtwerken mittelgroßer Städte wie z. B. Magdeburg, sagt Weiblein. Und das Unternehmen wächst. Mit einem symbolischen Spatenstich fiel im April der offizielle Startschuss für die Bauarbeiten zur Erweiterung des BTB-Anlagenparks. Die Umsetzung des Vorhabens ist gleichzeitig die größte Gesamtinvestition in der Unternehmensgeschichte und folgt den Rahmenbedingungen der sogenannten innovativen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Die kombiniert eine herkömmliche KWK-Anlage, einen rein elektrischen und einen innovativen erneuerbaren Wärmeerzeuger, um den Anteil erneuerbarer Energien auch im Sektor Wärme zu erhöhen.

Im Heizkraftwerk Adlershof sind die Bauarbeiten für einen Neubau an der Wegedornstraße/Ecke Ernst-Ruska-Ufer mit vier weiteren Gasmotoren neuester Bauart schon weit fortgeschritten. Das Adlershofer Heizkraftwerk, in den 1960er Jahren noch mit Schweröl betrieben, wandelt sich immer stärker zu einem modernen Vorzeigekraftwerk. Der Anteil der erneuerbaren Energie im Fernwärmeverbundnetz der BTB liegt schon heute bei über 60 Prozent, der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung bei über 90 Prozent. Das Netz reicht vom Treptower Park bis zum Flughafen Schönefeld und von Neukölln bis nach Köpenick. Ursprung und Herzstück ist die Versorgung des Wissenschafts- und Technologiestandortes Adlershof.

„Genau wie der Standort durchlaufen auch wir einen ständigen Wandel. Nachhaltige Energieversorgung ist aus wirtschaftlicher und auch ökologischer Sicht die zeitgemäße Antwort auf sich verändernde Umweltbedingungen und steigende Energiepreise. Daher erzeugen wir Wärme und Strom bevorzugt in klima- und umweltschonender Kraft-Wärme-Kopplung, ergänzt durch einen wachsenden Anteil regenerativer Anlagen“, erklärt Weiblein.

Der für Kabelwerke, Transistoren- und Automobilbau industrie-historisch bedeutsame Berliner Ortsteil Schöneweide entwickelt sich rasant, womit auch der Bedarf an Energie steigt. Auch dort betreibt die BTB ein Heizkraftwerk auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung. Die Anlage wird allerdings noch mit Steinkohle betrieben. Das soll sich ändern. Wurde Wasser vormals höchstens zur Kühlung von Kraftwerken genutzt, werden in Schöneweide in naher Zukunft Flusswasserwärmepumpen zur Wärmeerzeugung eingesetzt. Sie entziehen dem Flusswasser der Spree Wärmeenergie und nutzen diese, um Heizwasser zu erzeugen, dass mittels Strom auf ein fernwärmetaugliches Temperaturniveau gebracht und in das Fernwärmenetz eingespeist wird. „Der Stand der Entwicklung dieser Technologie ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie skalierbar wird“, erklärt David Weiblein. „Wir sind mit unserer Anlage eine Art Größenpionier. In dieser Dimension gibt es das noch nicht.“

„Die Nähe zur Wissenschaft, der Fokus vieler Unternehmen in Adlershof zu Forschungsfeldern der IT oder der Energie treiben uns an“, erzählt Weiblein weiter. Inzwischen betreibt das Unternehmen einen eigenen Innovationsbereich, der mit externen Forschungseinrichtungen vernetzt ist, interdisziplinär agiert und seine Fühler in alle Richtungen ausstreckt. So startet gemeinsam mit dem Geoforschungszentrum Potsdam in Kürze ein weiteres Innovationsprojekt mit einer Erkundungsbohrung zur Potenzialermittlung für einen Tiefenspeicher am Standort Adlershof. Sogenannte Aquifere sind Gesteinsformationen, die in tiefen Erdschichten Grundwasser führen. Bei geeigneter Bodenbeschaffenheit könnte in Adlershof im Grundwasser thermische Energie saisonal gespeichert werden. Der Speicher würde im Sommer befüllt und könnte dann im Winter regenerative Wärme aus dem Sommer bereitstellen und damit fossile Wärmeerzeugung ersetzen.

„Wir brauchen einen ganzheitlichen Blick auf die Erzeugung, denn Wärmeversorgung wird immer dezentraler“, erklärt Weiblein. Energie müsse dort umgewandelt werden, wo sie benötigt wird. Dazu nutzen sein Team und externe Fachleute heute umfangreiche und jederzeit abrufbare Daten zu Bedarfen, zu Anlageneffizienz und Belastungszuständen, Verbräuchen und Abnahmeverhalten.

„Wenn wir heute investieren, gibt es inzwischen sehr viel mehr Aspekte als die Refinanzierung einer Investition. Dazu gehören vor allem auch Nachhaltigkeitsmaßstäbe.“ Denn Energie, so die formulierte Vision des Unternehmens, solle in Zukunft nicht nur bezahlbar, sondern auch sauber sein. 

Rico Bigelmann für Adlershof Journal

btb-berlin.de

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