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07. Januar 2026

Hidden Place in Adlershof

Die Arena von Riot Games bietet E-Sports eine beeindruckende Bühne und ist zugleich Pilgerstätte für tausende Fans

  • Spieler geben sich die Hand auf der beleuchteten Studiobühne
    Die Riot-Games-Arena in Adlershof © Riot Games
  • Porträt Christian Lueneborg
    Christian Lueneborg, Director of Esports Content Services EMEA, Riot Games © Riot Games

E-Sports hat seit seinen Anfängen in den 1990er Jahren eine erstaunliche Bekanntheit entwickelt. Längst findet er nicht mehr in dunklen Wohnzimmern statt, sondern in großen Arenen wie dem Londoner Wembley-Stadion vor über 12.000 Fans oder der Kölner Lanxess-Arena, die 20.000 Menschen fasst. Ein bedeutender Player der Szene, der US-amerikanische Entwickler und Publisher von Computerspielen Riot Games, ist am Zukunftsort Adlershof beheimatet. Das Unternehmen hatte sich 2014 für den Umzug von Köln nach Berlin entschieden, um Platz für ein Büro und ein eigenes Produktionsstudio mit guten technischen Möglichkeiten und passender Verkehrsanbindung zu haben.

Jährlich pilgern etwa 17.000 Menschen zur Riot-Games-Arena auf dem Gelände von Studio.Berlin, um die für sie bekannten Twitch- oder YouTube-Spieler:innen live zu erleben. Gespielt werden hier je nach Turniertag die hauseigenen Multiplayer-Games „League of Legends“ und der taktische 5-gegen-5-Shooter „VALORANT“. Wer in die Zeitschleife gefallen ist, kommt über Stunden nicht wieder heraus. So auch Ende August 2025, dem letzten „VALORANT“-Wettkampftag dieser Saison in Adlershof.

Zwei Teams treten gegeneinander an: Team Liquid aus den Niederlanden und Team GIANTX aus Spanien. Im Foyer, das auch einen Fanshop und Computer zum Selberzocken beheimatet, können Besuchende mittels Balleinwurf darauf tippen, welches Team gewinnt. Ein hellgrüner Ball steht für Team Liquid, ein hellvioletter Ball für Team GIANTX. Die meisten Bälle sind hellgrün. In einer Art Indoor-Amphitheater verfolgen über 200 Fans die Spielzüge der sich duellierenden Fünferteams auf LED-Leinwänden, feuern sie mit Klatschpappen an und fiebern mit. Die allesamt männlichen Spieler starren in höchster Konzentration auf ihren Computerbildschirm. Das Geschehen wird wie bei einem Fußballspiel kommentiert: „Schöne Dreifachschaukel!“ Gerade haben drei Spieler aus verschiedenen Winkeln auf den Gegner gezielt, um ihn zu eliminieren. All das passiert in einer unglaublichen Geschwindigkeit.

Auch online wird das Spiel verfolgt. „Die Abrufzahlen sind enorm”, erklärt Hans Christian Lueneborg, seit neun Jahren Director of Esports Content Services EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) bei Riot Games. In Adlershof sind über 40 Kameras im Einsatz, um die Battle-Teams zu filmen, viele davon sind ferngesteuert. Weltweit erreicht eine „VALORANT“-Show 44,3 Millionen Views, „League of Legends“ sogar 50 Millionen. Circa 80 Prozent der Viewer sitzen in China, wo E-Sports schon vor der Anerkennung als offizielle Sportart einen besonderen Stellenwert hatte. Die Spieler:innen geben über viele Stunden alles und müssen topfit sein, denn sie haben nach der Hälfte des Matches jeweils nur eine Pause von zehn Minuten.

Um ihnen den Rücken zu stärken, steckt hinter den Spieler:innen ein Riesenteam von circa 500 Mitarbeitenden, u. a. Expertinnen für eine ausgewogene Ernährung, Physiotherapeuten und ein Headcoach. Lueneborg managt 25 Profi-Teams in Berlin-Brandenburg: „Der Tag ist strikt durchgetaktet. Es wird darauf geachtet, dass die Profis alle notwendigen Mineralien und Vitamine zu sich nehmen und genug Sport machen. Auch die Trainingsspiele, sogenannte Scrim-Sessions, folgen einem bestimmten Muster.“ Das Mindestgehalt eines Spielers liegt bei 60.000 Euro jährlich, Profis bekommen sechsstellige Jahresgehälter. Die höchsten Preisgelder liegen weltweit bei „VALORANT“ bei bis zu 2,25 Millionen Dollar (Championship global), bei „League of Legends“ Worlds ist das Preisgeld doppelt so hoch. Die Profispieler:innen müssen mindestens 18 Jahre alt sein, kaum einer ist älter als 20.

Circa zehn Jahre später ist ihre Karriere schon vorbei, denn dann lässt die Reaktionsfähigkeit nach. „Ich kenne Spieler:innen, die beispielsweise bei größeren Hardware-Herstellern in die Entwicklung gegangen sind, um Computermäuse und Tastaturen für Gamer zu entwickeln, viele träumen auch von einem eigenen Spielestudio, andere verlassen die Branche“, so Lueneborg. Die Ex-Profis wechseln oft ins Coaching oder in die Businesswelt. Dort haben sie sehr gute Chancen, denn wichtige Skills wie Teamfähigkeit, Führungsfähigkeit und strategisches Denken haben sie in ihrer Zeit als E-Sports-Profi gelernt.

Susanne Gietl für Potenzial

 

Riot Games

Potenzial – Das WISTA-Magazin: Ausgabe Games. Januar 2026
  • Potenzial: Games (4 MB)
Potenzial Games IT / Medien Kultur und Leben

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