Klimatische Wahrscheinlichkeiten: Mathematische Modelle für Temperaturübergänge in der Eiszeit

27. Februar 2012

Klimatische Wahrscheinlichkeiten

Mathematische Modelle für Temperaturübergänge in der Eiszeit

Bild: © Adlershof Journal

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Nicht nur als Deutschland Anfang Februar unter den eisigen Temperaturen bibberte, stießen Interpretationen zu Klimazeitreihen auf großes Interesse. Am 24. Januar schaffte Michael Högele es damit, den Dissertationspreis Adlershof 2011 zu ergattern.

 Michael Högele ist Mathematiker, arbeitet als Postdoc am Lehrstuhl Wahrscheinlichkeitstheorie der Universität Potsdam und mag es persönlich nicht zu lange kalt und dunkel. Ganz anders für seine Dissertation. Da nahm der ehemalige Doktorand der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) Daten aus grönländischem Gletschereis unter die Lupe. So war es in der letzten Eiszeit vor 90 000 bis etwa 20 000 Jahren nicht immer relativ gleich kalt, sondern es gab auch abrupte Temperaturübergänge. Deren Muster untersuchte Högele mithilfe mathematischer Modelle. Public understanding of Sciences Neben der herausragenden wissenschaftlichen Leistung war es vor allem die allgemeinverständliche und überzeugende Präsentation des Themas, die den 31-jährigen, aus der Oberpfalz stammenden Högele zum Dissertationspreisgewinner machte. Denn zuvor musste er sich einem Wettstreit mit zwei weiteren nominierten Nachwuchswissenschaftlern – einem Psychologen und einem Physiker – stellen. Högele, der den sportlichen Charakter des Endausscheids ausgesprochen gut fand, überzeugte kommunikativ und konnte den mit 3.000 Euro dotierten, von der HU, der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof e. V. (IGAFA) und der WISTA-MANAGEMENT GMBH jährlich vergebenen Preis nach Hause tragen. 

Mit Klimamodellen befasst sich Michael Högele auch weiterhin und forscht am Graduiertenkolleg „Dynamische Phänomene in komplexen Netzwerken“, das am Institut für Physik der HU angesiedelt ist. Und auch außerhalb des wahrscheinlichkeitstheoretischen Blickwinkels fasziniert ihn das Klima, ganz besonders die Anpassungsfähigkeit der Menschen an verschiedene, teils extreme Klimata und Landschaften. „Ob die Inuit in Nordkanada, die andinen Kulturen Südamerikas oder die zentralasiatischen Pferdekulturen, immer gab es eine perfekt angepasste Kultur der Haustierdomestizierung und eine entsprechende Organisation der Gemeinschaft“, sagt er. 

Faszinierende Eindrücke 
Und was ist die atemberaubendste „Klimavariabilität”, der Högele selbst begegnet ist? „Das war letzten Sommer in der Sierra Nevada de Santa Marta. In dem kleinen Hochgebirge an der karibischen Nordküste Kolumbiens fallen die ewig schneebedeckten Gipfel mit mehr als 5.700 Metern Höhe über dem Meeresspiegel innerhalb von 25 Kilometern mit allen dazwischen liegenden Klimazonen ins karibische Meer. Landschaftlich ein echtes Spektakel“, schwärmt er. Bis nach Grönland ist der junge Mann bisher noch nicht gereist, aber neugierig wäre er schon mal. Na dann, bitte warm anziehen. 

von Sylvia Nitschke 

Link: http://users.math.uni-potsdam.de/~hoegele/ 

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