Netzwerken Frauen anders?: Über Rollenvorbilder und die Anleitung zum Selbstmarketing

27. Februar 2018

Netzwerken Frauen anders?

Über Rollenvorbilder und die Anleitung zum Selbstmarketing

Petra Metz, Márta Gutsche und Katrin Rautter (v. l .n. r.). Bild: © Adlershof Journal

Petra Metz, Márta Gutsche und Katrin Rautter (v. l .n. r.) wollen Frauen vernetzen. Bild: © Adlershof Journal

Da ist es wieder. Das ungeliebte Klischee! Auch hier in Adlershof. Zu wenig Frauen in den naturwissenschaftlichen Studiengängen, kaum weibliche Professuren an den Instituten der Universität und schon fast gar keine Frauen in den Chefetagen der Unternehmen am Standort. Doch woran liegt das? Netzwerken Frauen anders? Und: Wo in Adlershof können sich Frauen erfolgreich engagieren?

Katrin Rautter, Netzwerkkoordinatorin von LaNA weiß: „Männer fokussieren sich beim Netzwerken voll auf den Job, Frauen neigen eher dazu, Berufliches und Privates zu vermischen. Das hat viel mit der Kinderbetreuung zu tun. Dabei verzetteln sich dann manche und verlieren das Wesentliche eines Gespräches aus dem Blick. Und vielen ist die Kraft von gut funktionierenden Netzwerken auch nicht bewusst.“ Netzwerken ist fürs berufliche Fortkommen extrem wichtig, denn um erst einmal in die engere Auswahl zu kommen, sind Bewerberinnen mit den besseren Kontakten klar im Vorteil.

Um Schülerinnen, Studentinnen, um Frauen generell im Wissenschaftspark Adlershof zu unterstützen, sind bereits einige professionelle Frauennetzwerke entstanden. Zum Beispiel das Ladies Network Adlershof (LaNA). Auf dessen Veranstaltungen berichten erfolgreiche Frauen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über ihr Vorwärtskommen, was und wer ihnen geholfen hat und welche Stolperfallen besser vermieden werden sollten.

„Wir haben ein jährlich stattfindendes Frauentagsfrühstück am 8. März eingerichtet, beraten junge Frauen während der Langen Nacht der Wissenschaften, laden zur Ladies Tea Time ein und bieten Seminare und Buchvorstellungen zu Frauenkarrieren“, so Rautter. In speziellen Workshops trainieren Frauen bei Frauen ihre Softskills wie etwa das Selbstmarketing. Das ist häufig nötig: „Wenn Männer in einer Stellenanzeige lesen, dass 70 Prozent der Anforderungen auf sie zutreffen, sagen sie – ich bin genau der Richtige. Eine Frau würde oft an gleicher Stelle sagen: Oh da brauche ich wohl noch eine Weiterbildung“, sagt Katrin Rautter.

Dabei steht das Wort „Karriere“ gar nicht so sehr im Vordergrund. Wichtig ist, dass „frau“ selbstbestimmt das tut, was ihrer Leidenschaft entspricht und worin sie gut ist. Nur 19 Prozent der Führungspositionen in Adlershof sind von Frauen besetzt. „Hier muss sich noch einiges ändern“, so Rautter. Das „vernetzte Miteinander am Standort“ sei wichtig. Vorbilder müssten gefunden, der Druck von den Frauen genommen und ihnen Mut gemacht werden. Frauen können voneinander profitieren. Deshalb haben Rautter und ihr Team jetzt auch einen Mittagsstammtisch eingerichtet. Jeden ersten Donnerstag im Monat um 12 Uhr treffen sich Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte im Café Kamee. Wer Lust hat, kommt einfach dazu und baut Kontakte auf.

Eine Stufe früher setzt das Netzwerk WiNS Adlershof, „Woman in Natural Sciences“, an. Seit letztem Sommer wird hier Doktorandinnen der Naturwissenschaften das Netzwerken nähergebracht. Leiterin von WiNS an der Humboldt-Universität zu Berlin ist Petra Metz. Sie sagt: „Unser Ziel ist es, Frauen sichtbar zu machen, in karriererelevanten Fragen zu unterstützen, sie zu vernetzen. Auf diese Weise wollen wir den Anteil der Frauen in der Professorenschaft und auf Leitungsebene auf 30 Prozent erhöhen.“

Das ist ein ehrgeiziges Ziel, sind es doch derzeit in der Informatik und Chemie nur elf Prozent, in der Physik gar nur zehn Prozent. Metz vermittelt Kontakte zwischen Uni, Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Sie organisiert Workshops, ein Mentoring-Programm und Netzwerkveranstaltungen. Postdocs stellen unter anderem ihre neue Arbeitsstätte vor und berichten über den studentischen/beruflichen Weg dorthin. Metz:„Als Mentoren nehmen wir natürlich auch Männer, denn man muss ja ihre Spielregeln kennen.“

WiNS schließt an das Projekt FiNCA an. FiNCA bedeutet eine frühzeitige Förderung von Mädchen und jungen Frauen. Dabei begeistern Sommerkurse Schülerinnen für ein Studium der Naturwissenschaften und Studentinnen werden während ihres Studiums begleitet. „Unser Projekt am Standort Adlershof ist ein neuer Ansatz, auch zur Familienförderung, weil dieses Frauen jeder sozialen Lage oder jeden Alters generationsübergreifend einbezieht. Es geht um die Zukunft der Naturwissenschaftlerinnen“, sagt Márta Gutsche, Initiatorin und langjährige Programmleiterin von FiNCA.

Mit WiNS sollen dann Naturwissenschaftlerinnen ermuntert werden, sich Führungspositionen zuzutrauen. Viele Nachwuchswissenschaftlerinnen fühlen sich gut betreut, ihnen fehlt aber ein fachübergreifender Austausch. Metz: „Netzwerkveranstaltungen gehören daher zu unseren Basismodulen. Genau wie Workshops und Coachings zu Soft Skills wie Zeitmanagement, Vortrags- und Stimmtraining, zu Führungskompetenzen, Persönlichkeitsentwicklung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Viele Stellen seien jedoch viel zu kurz befristet. Man bräuchte gerade in der naturwissenschaftlichen Forschung längerfristige Perspektiven. Da nicht jede Wissenschaftlerin Professorin werden kann, zeigt WINS auch alternative Wege in der freien Wirtschaft.

Metz abschließend: „Unsere Intention ist es, eine Vielfalt von Persönlichkeiten herauszubilden.”

Von Kathrin Reisinger für Adlershof Journal

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