Neuanfang im Altbekannten: Zwei Geschichten von Adlershofer „Re-Comern', die Mut machen

05. Januar 2021

Neuanfang im Altbekannten

Zwei Geschichten von Adlershofer „Re-Comern“, die Mut machen

Thomas Laurent © WISTA Management GmbH

Mit Wachstumsauftrag unterwegs: Thomas Laurent baut die Adlershofer Dependance von M Squared auf © WISTA Management GmbH

Claus Heitmann © WISTA Management GmbH

Sieht die Pandemie auch als Chance: Claus Heitmann ist technischer Geschäftsführer bei eagelyard Photonics © WISTA Management GmbH

Jetzt ist eine schlechte Zeit für einen Neubeginn? Ganz und gar nicht. Wir haben zwei erfolgreiche Unternehmenslenker gefragt, die, nach einer gewissen Adlershofer Abstinenz, wieder an den Standort zurückgekehrt sind und nun als „Re-Comer“ durchstarten. Zwei Geschichten, die Mut machen.

So schnell sieht man sich wieder. Als Thomas Laurent bei M Squared (einem Anbieter von High-End-Lasern und Instrumenten für die Quantentechnologie, Biophotonik sowie chemische Analytik) an Bord ging, um den neuen deutschen Standort aufzubauen, staunte er nicht schlecht. Seine Gesprächspartner in Glasgow nannten für die Dependance eine ihm wohlbekannte Adresse in Berlin: Rudower Chaussee 29. Die schottischen Chefs hatten bereits Räume im Adlershofer Innovations- und Gründungszentrum angemietet. „Ich war überrascht“, lacht Laurent. Und erfreut. Hello again, Adlershof!

Laurent ist, was den Standort anbelangt, eine Art Wiederholungstäter. Als Co-Gründer und technischer Geschäftsführer setzte er in Adlershof die Firma eagleyard (ein Spezialist für Hochleistungs­laserdioden und eine Ausgründung des Ferdinand-Braun-Instituts, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik) erfolgreich in die Spur. Nach dem Exit wechselte Laurent die Branche und kümmerte sich für eine Münchener Firma um den Vertrieb erdnaher Satelliten­kommunikations­dienstleistungen, zum Beispiel für das Internet der Dinge. Ein mutiger Schritt. Und nicht Laurents letzter.

Das Angebot der 2006 gegründeten schottischen Firma M Squared, die in der Quantentechnologie als führend gilt, war dann doch zu verlockend: Das Servicezentrum mit Laborflächen für die Wartung und Reparatur der Laseranlagen aufbauen, den Vertrieb für den deutschsprachigen Raum leiten, nebenbei mit einem europäischen Hightechprojekt dem Brexit Vereinendes entgegensetzen und das auch noch an dem von Laurent hochgeschätzten Berliner Standort – besser geht’s kaum. Keine Bange vor einer Bauchlandung? „Ich bin mittlerweile angstfrei“, sagt der 52-Jährige. „Es gibt immer Boom- und Stagnationsphasen, die einander abwechseln. Das zu erkennen und anzuerkennen ist der Schlüssel zu Gelassenheit.“ Und zum Erfolg. An dem zweifelt Laurent bei seinem neuen Adlershofer Job nicht. Pandemie hin oder her: „Ich bin mit klarem Wachstumsauftrag unterwegs“, sagt er. Schon im Frühjahr soll das fünfköpfige Team auf sieben bis zehn Mitarbeitende anwachsen. An Aufträgen mangelt es nicht.

Das gilt auch für Claus Heitmann – als technischer Geschäftsführer der eagleyard Photonics GmbH im gewissen Sinne der Nachfolger von Laurent. Einst gründete und führte er zwölf Jahre lang die Adlershofer Firma c2go inprocess solutions und ist nach deren Verkauf an Trumpf Laser ausgeschieden. „Eigentlich wollte ich mir eine bewusste Pause nach der Selbstständigkeit gönnen“, erzählt Heitmann. Doch das hielt er nicht lange durch, wurde bald bei dem Laserdiodenhersteller Lumics Geschäftsführer in Marzahn und kehrte im September zurück nach Adlershof, wo er dank seines weitverzweigten Netzwerkes wieder als Co-CEO aufgeschlagen ist: „Ich freue mich auf eine neue und spannende Herausforderung – mit dem schönen Nebeneffekt, hier auf viele bekannte Gesichter und ehemalige Kollegen zu treffen“, freut sich der 48-Jährige. Was reizt ihn noch an dem Neuanfang? Unternehmen wie Lumcis und eagleyard seien Firmen, die durch inspirierende Köpfe und tolle Teams entstanden seien, sich geformt haben und heute erfolgreich am Markt für innovative Lasermodule behaupteten. „Genau hier möchte ich ansetzen. Mein Ziel ist es, die Agilität eines ehemaligen Start-ups beizubehalten und nun die Professionalisierung zu begleiten“, erklärt der studierte Mikrosystemtechnikingenieur.

Die Pandemie sieht er dabei nicht als Hemmschuh, sondern als Chance: „Die sehe ich darin, noch besser vernetzt zusammenarbeiten zu können und auch bei räumlicher Entfernung das WIR zu fördern.“ Selbst wenn der persönliche Kontakt derzeit fehle, sieht Heitmann die Chance darin, dass die neuen Methoden des vernetzten Arbeitens an verteilten Orten durchaus das Team stärken werden. Heitmann blickt optimistisch in die Zukunft und findet seinen Schritt auch alles andere als mutig, eher normal. Jedenfalls scheint der Campus ein gutes Pflaster für derartige Laufbahnen zu sein und zur Wiederkehr geradezu einzuladen. „Adlershof hat einen eigenen Spirit, der sich aber dennoch schwer beschreiben lässt“, sagt Heitmann. „Es ist eben ein besonderer Standort, der Menschen, Kreativität, Unternehmertum und den offenen Blick über den eigenen Firmen-Scope zulässt.“

Von Chris Löwer für Adlershof Journal

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