Von Dahlem nach Adlershof: Die Adlershofer Neuzugänge Alacris Theranostics GmbH und Clinical Laserthermia Systems GmbH widmen sich dem Kampf gegen den Krebs

27. Juni 2017

Von Dahlem nach Adlershof

Die Adlershofer Neuzugänge Alacris Theranostics GmbH und Clinical Laserthermia Systems GmbH widmen sich dem Kampf gegen den Krebs

Alacris

Alacris-Chef Bodo Lange will Krebstherapien verbessern

CLS

Neues Domizil im ZPV: Verena Knappe (r.) und Manuela Schwagmeier managten den CLS-Umzug nach Adlershof

Den Blick auf den „Botanischen Garten Dahlem“ werde er vermissen, sagt Bodo Lange. Ansonsten sieht der Geschäftsführer der Alacris Theranostics GmbH den Umzug von Dahlem nach Adlershof positiv. Optimal ausgestattete Labore im ZMM (Zentrum für Mikrosysteme und Materialien) verspricht Gebäudemanager Jörg Israel von der WISTA-MANAGEMENT GMBH. Er ist auch für das neue Gründerzentrum FUBIC (Business and Innovation Center next to Freie Universität Berlin Campus) in der Fabeckstraße zuständig, das in den nächsten vier Jahren nahe der Freien Universität Berlin entstehen soll. Die bisher dort ansässigen Unternehmen brauchten allerdings ein neues Quartier.

Auf die guten Kontaktmöglichkeiten in Adlershof, die kurzen Wege zu den Instituten der Humboldt-Universität zu Berlin und den außeruniversitären Einrichtungen freut sich der promovierte Biologe Lange jedenfalls. 2011 gegründet, arbeitet Alacris ebenso forschungsintensiv wie anwendungsbezogen im Bereich personalisierter Medizin. Die Analysen und Berechnungen münden in ein Modell, mit dem Krebstherapien optimiert werden können. „Heute spricht nur etwa jeder dritte Krebspatient auf die medikamentöse Behandlung an“, sagt Lange.

Diese unbefriedigende Bilanz soll ModCellTM verbessern. Im Computer werden dabei sowohl gesunde Zellen wie beispielsweise auch Nieren- oder Hirntumorzellen simuliert: Was läuft in der kranken Zelle anders als in der gesunden, was ist in der Tumorzelle blockiert oder aktiviert? Für aussagekräftige Simulationen sind reale Daten erforderlich. Denn nicht nur jeder Patient ist individuell, auch jeder Tumor hat eine eigene Charakteristik. Um diese zu finden, bedarf es sorgfältiger Biopsien, mit denen sich das genetische Material von Patienten und Tumorzellen identifizieren lässt. Diese Sequenzierung und Datenanalyse ist eine Spezialität der derzeit 20 Alacris-Mitarbeiter. Die Bioinformatiker, Mathematiker, Physiker und Biologen testen mithilfe des Computers jeweils über 300 Antikrebsmedikamente auf ihre Wirkung und filtern die erfolgversprechenden Therapien heraus. Das Resultat geht an die behandelnden Ärzte und Kliniken.

Auch die Pharmaforschung profitiert vom Alacris-Know-how. Die vielfältigen gespeicherten Patientendaten sind für virtuelle klinische Studien nutzbar. Wirkstoffe können auf ihre Brauchbarkeit für Antikrebsmedikamente überprüft werden. Auch im Nachhinein lässt sich herausfinden, warum ein klinischer Versuch fehlgeschlagen ist. Der Weiterentwicklung und Validierung des Modells dienen diverse Forschungsprojekte der Berliner Firma mit Kliniken und Instituten, etwa im Rahmen von „Horizon 2020“.

Von diesem EU-Programm profitiert auch Clinical Laserthermia Systems (CLS) AB, ein schwedisches Unternehmen, das Lasertherapien gegen bösartige Tumoren entwickelt. Im März 2017 wurde eine deutsche Tochtergesellschaft gegründet, die CLS GmbH mit dem CEO Lars-Erik Eriksson. „Wir entwickeln Lichtleitfasern, die ins Tumorgewebe eingeführt werden und dort mit Laserlicht Wärme erzeugen“, sagt Verena Knappe, die zusammen mit Manuela Schwagmeier die Dependance in Dahlem aufgebaut hat. Die beiden Ingenieurinnen managten auch den kürzlich erfolgten Umzug der CLS GmbH nach Adlershof, ins Zentrum für Photovoltaik und Erneuerbare Energien (ZPV).

„In den USA sind schon die ersten Patienten mit der minimalinvasiven CLS-Methode behandelt worden“, berichtet Knappe. In Deutschland laufen derzeit multizentrische Studien. Dabei wird unter präziser Kontrolle mit Magnetresonanztomografie (MRT) das äußere Gewebe des Tumors so weit erhitzt, dass die Krebszellen weitgehend absterben und Antigene freigesetzt werden. Das Immunsystem des Patienten wird aktiviert, so dass im Körper zirkulierende Tumorzellen außer Gefecht gesetzt werden und sich keine Metastasen mehr bilden können. Die Methode eignet sich zur Behandlung von soliden Tumoren von etwa Brust-, Prostata- oder Nierenzellkrebs sowie von Metastasen.

Von Paul Janositz für Adlershof Journal

 

www.alacris.de

www.clinicallaser.se/en/

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