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02. November 2026

Wenn aus Reststoffen Rohstoffe werden

MycoWerk setzt auf regionale Pilze

Die beiden Gründungsmitglieder kommen eine Treppe hinauf
Juan F. Dueñas (l.) und Emily Y. Fung sehen unzählige Möglichkeiten für pilzbasierte Materialien © WISTA Management GmbH

Chitosan ist ein vielseitiges Biopolymer. Verwendung findet der biologisch abbaubare und antimikrobielle Naturstoff etwa als Flockungsmittel in der Wasseraufbereitung, als Pflanzenstärkungsmittel in der Landwirtschaft oder als Ausgangsstoff für Beschichtungen und Verbundmaterialien. Chitosan wird aus Chitin gewonnen. Daraus bestehen nicht nur die Außenskelette von Insekten, sondern auch die Panzer von Krebsen, Garnelen und Hummern. Das macht die Fischerei zu einer der wichtigsten Quellen. Vor allem in Asien werden die Panzer der Schalentiere aufbereitet, zu Chitosan verarbeitet und erreichen über globale Lieferketten schließlich Europa. Doch Chitin findet sich nicht nur im Tierreich. Es steckt auch in den Zellwänden von Pilzen. Genau hier kommt MycoWerk ins Spiel.

„Da die klassischen Lieferketten fragil und volatil sind, wollen wir eine regionale Alternative schaffen“, sagt Juan F. Dueñas. Der Mykologe ist einer der drei Gründer:innen des Start-ups MycoWerk. „Wir nutzen organische Reststoffe als Nährboden für Pilze und stellen möglichst vor Ort Chitosan her.“ Statt auf zentrale Produktion und lange Transportwege setzt das Team also auf ein modulares, dezentrales Bioraffinerie-Modell.

Pilze haben im Laufe der Evolution sehr viele Lebensräume erobert. Sie wachsen nicht nur im Wald, auf der Wiese oder im Marmeladenglas, sondern auch auf Resten aus der Nahrungsmittelproduktion wie Brauereitreiber, Kaffeesatz, Getreidekleie und sogar auf Rückständen aus der Speisepilzzucht. „Sie besiedeln ihr Substrat und essen gewissermaßen mit ihrem ganzen Körper“, erklärt Dueñas. „Dabei bauen sie Chitin in ihre Zellwände ein.“ MycoWerk löst es dort heraus und verarbeitet es in mehreren chemischen Schritten zu Chitosan weiter.

Das Biopolymer soll dabei nur der Anfang sein. Das Team denkt bereits über weitere Stoffe nach, die sich mit Pilzen herstellen oder aus ihnen gewinnen lassen. Langfristig könnte MycoWerk so eine Plattform für unterschiedliche pilzbasierte Materialien und chemische Vorprodukte erschaffen.

Noch steckt das Start-up allerdings mitten in der Entwicklung. Dass sich Chitosan aus Pilzen gewinnen lässt, ist schon länger bekannt. Die Fragen, denen Dueñas und seine Mitgründer:innen nachgehen, sind daher eher praktischer Natur: Welche regionalen Reststoffströme eignen sich für welches Endprodukt am besten? Wann ist eine eigene Pilzproduktion sinnvoll? Wie lässt sich das Chitin aus dem Pilzgeflecht noch effizienter zu Chitosan aufarbeiten? Antworten darauf suchen sie in ersten Studien mit Reststoffen aus der Pilzzucht in Berlin und Brandenburg.

Mit Pilzen beschäftigt sich Dueñas bereits seit vielen Jahren an der Freien Universität Berlin. Dort lernte er auch Peter Meidl kennen. Gemeinsam reifte die Idee, ein eigenes Start-up zu gründen. „Praktische Anwendungen haben mich schon immer stärker interessiert als reine Grundlagenforschung“, sagt Dueñas. Meidl ergänzt: „Auch ich finde es reizvoller, sichtbar etwas zu bewirken, als dem nächsten Forschungsantrag hinterherzulaufen.“ Mit Emily Y. Fung fanden die beiden die passende Ergänzung für ihr Team. Fung bringt nicht nur Expertise in Chemie und erste Start-up-Erfahrung mit, sondern teilt auch die Begeisterung für den Schritt in die Wirtschaft. „Forschen und Papers veröffentlichen ist wichtig“, sagt sie. „Aber die Ergebnisse müssen auch ihren Weg in die reale Welt finden.“

Genau dieser Schritt aus dem Labor in den Markt beschäftigt das Team nun im Adlershof Startup Lab. Dort geht es für die drei nicht mehr nur um Pilze und Chemie, sondern auch um Finanzierung, Go-to-Market, Unternehmensgründung und Kunden. Für Dueñas eine enorme Lernkurve. „Das Netzwerk und die Workshops helfen uns, Themen zu bearbeiten, mit denen wir als Forschende bislang kaum Berührung hatten.“

Noch sind dabei zentrale Fragen offen. MycoWerk muss entscheiden, welche Produktionsroute wirtschaftlich sinnvoll ist, ob Chitosan als Rohstoff verkauft oder für eigene Anwendungen weiterverarbeitet werden soll und ob sich tatsächlich genügend Kunden für das Angebot finden. Parallel prüft das Team verschiedene Fördermöglichkeiten und sucht nach akademischen Partnern für die weitere Entwicklung. „Ein Unternehmen aus dem Nichts aufzubauen, ist ein fordernder Prozess“, sagt Dueñas. „Aber auch ein sehr kreativer.“ 

Kai Dürfeld für Adlershof Journal

 

MycoWerk bei LinkedIn

Teams 2026 im Adlershof Startup Lab

Adlershof Journal Adlershof Startup Lab Biotechnologie / Umwelt Gründungen

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