Willkommenskultur an der Werkbank: In der AEMtec GmbH arbeitet der syrische Flüchtling Basem Wabeh

29. April 2016

Willkommenskultur an der Werkbank

In der AEMtec GmbH arbeitet der syrische Flüchtling Basem Wabeh

Syrer Basem Wabeh (l.), Jan Trommershausen (r.) AEMtec Geschäftsführer. Bild: © Adlershof Journal

Freunde: Der Syrer Basem Wabeh (l.) ist froh, dass AEMtec Geschäftsführer Jan Trommershausen ihn eingestellt hat. Bild: © Adlershof Journal

Basem Wabeh. Bild: © Adlershof Journal

Basem Wabeh beim elektrischen Funktionstest von einem Multi-Chip-Modul. Bild: © Adlershof Journal

Wie an vielen Orten in Berlin gibt es auch in Adlershof zahlreiche Bemühungen, Flüchtlingen zu helfen. Ein wichtiges Anliegen ist es, den Neuankömmlingen Arbeit in der Wissenschaftsstadt zu verschaffen. Jan Trommershausen, Geschäftsführer der Firma AEMtec, hat erste positive Erfahrungen mit syrischen Mitarbeitern gemacht.
 
Basem Wabeh sieht etwas müde aus, aber zufrieden. Seit wenigen Wochen arbeitet er im Schichtdienst in der Fertigung der AEMtec GmbH in Adlershof. Das Unternehmen mit etwa 160 Mitarbeitern stellt Miniaturelektronik für Anwendungen in der Medizin oder der Daten- und Telekommunikation her. Für Wabeh ein neues Metier, doch der Syrer bringt gute Voraussetzungen mit: In seiner Heimat war der Maschinenbauingenieur als Produktionsleiter einer Lebensmittelfabrik für 600 Mitarbeiter zuständig. „Hier ist vieles noch neu für mich“, sagt der 43-Jährige. „Aber es ist gut, dass ich endlich arbeiten kann.“

Mit seiner Frau und seinen drei Töchtern – vier, acht und zehn Jahre alt – lebt Wabeh derzeit in einer Einraumwohnung in Adlershof. Am Standort sind in den vergangenen Monaten mehrere Flüchtlingsunterkünfte entstanden, verschiedene Initiativen kümmern sich um die Neuankömmlinge. Unter anderem engagieren sich die WISTA-MANAGEMENT GMBH, die Berliner Humboldt-Universität, kirchliche und studentische Gruppen dafür, ihnen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu helfen. Zu den Aktivitäten gehört auch der monatliche „Internationale Abend“, an dem sich potenzielle Arbeitgeber und Flüchtlinge kennenlernen können.

Jan Trommershausen hat sich früh für Flüchtlinge eingesetzt: Der Geschäftsführer von AEMtec gründete in Steglitz-Zehlendorf eine Nachbarschaftsinitiative, hier lernte er vor etwa einem Jahr auch Wabeh kennen. „Wir wurden Freunde, Basems Deutsch machte schnell Fortschritte, da habe ich beschlossen, ihn einzustellen.“ Auch die Belegschaft sei sofort dabei gewesen, habe den neuen Kollegen herzlich aufgenommen. „Die Mitarbeiter sind ganz begeistert von Basem Wabeh.“ Kulturelle Vorurteile seien schnell ausgeräumt, wenn es nicht mehr nur abstrakt um „Flüchtlinge, sondern einen konkreten Menschen geht“.

Auch einen Nachrichtentechniker aus Syrien beschäftigte Trommershausen für einige Wochen als Praktikanten. „Es stellte sich heraus, dass die Sprache für den Kollegen noch eine zu hohe Hürde war“, sagt der Manager. Doch er will dem jungen Mann eine neue Chance geben, wenn dieser weitere Sprachkurse absolviert hat. „Wir wollen als Unternehmen einen Beitrag leisten, diese Menschen zu integrieren, die auf der Flucht oft einen großen Teil ihres Selbstbewusstseins einbüßen.“

Basem Wabeh spricht nicht gerne über die dramatische Bootsfahrt, die ihn von Ägypten nach Italien brachte. Die zehn Tage, die er fast ohne Wasser und Nahrung mit fast 200 anderen Flüchtlingen auf einem winzigen Schiff auf dem Mittelmeer verbrachte, möchte er lieber vergessen. „Ich hatte damals keine Wahl“, erzählt er. Aus seiner Heimat in einem Vorort von Damaskus war er zuerst nach Ägypten geflohen, nachdem eine Bombe auf die Schule seiner Tochter niederging. Anderthalb Jahre schlug sich die Familie in Kairo durch, bis die Revolutionswirren auch dort das Leben für Flüchtlinge unerträglich machten. Nach der Flucht nach Deutschland half ihm Trommershausen, die Familie nachzuholen. Wabehs Töchter sind bis heute traumatisiert: „Sie wachen weinend auf, wenn sie nachts Feuerwerke oder ähnliches hören – sie denken dann, das sind Schüsse oder Bomben.“

Im Herbst, so hofft er, beginnen für die Mädchen Kita und Schule und ein normales Kinderleben. Die Ereignisse in Syrien sieht Wabeh mit Sorge. „Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zeit nach Hause zurückkehren können. Deshalb sollen meine Kinder hier eine Chance haben.“ Sein Traum für die Zukunft: Besser Deutsch lernen und seine Berufsabschlüsse anerkannt bekommen – „damit ich eines Tages wieder richtig als Ingenieur arbeiten kann“.

Hohe Eigenmotivation, hohe Leistungsbereitschaft, so beschreibt Trommershausen besonders die syrischen Flüchtlinge. Viele seien beruflich gut qualifiziert und ihre kulturellen Kenntnisse des Nahen und Mittleren Ostens könnten womöglich neue Geschäftsfelder eröffnen. „Ich kann auch anderen Unternehmen nur empfehlen, sich unter den Syrern hier einmal umzugucken.“

von Claudia Wessling für Adlershof Journal

www.aemtec.de

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