Wo Arbeit endet und Ärger beginnt
Psychologin Heidi Mauersberger forscht zu Konflikten am Arbeitsplatz
Konflikte am Arbeitsplatz sind unvermeidbar und gehören zum Berufsalltag vieler Menschen dazu. Konstruktiv geführt, müssen sie nicht zwangsläufig negative Folgen haben. Im Gegenteil: Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Perspektiven kann sogar zu besseren Leistungen und Lösungen führen. „Wenn es keine Konflikte gäbe, bliebe alles so, wie es schon immer war“, sagt die Wissenschaftlerin Heidi Mauersberger. Weil Menschen mit dem Wort Konflikt eher etwas Negatives verbinden, nennt sie es lieber Meinungsverschiedenheit, um Probandinnen und Probanden nicht zu beeinflussen. Wenn Konflikte allerdings eskalieren und in destruktive Kritik münden, verhindern sie gute Zusammenarbeit und machen Menschen krank. Weil das so ist, beschäftigen sich Psycholog:innen wie Mauersberger damit. Sie betreibt am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) in Adlershof Grundlagenforschung zu Arbeitsplatzkonflikten und anderen Themen.
Die Forschung unterscheidet grob zwei Arten von Arbeitsplatzkonflikten: Aufgabenkonflikte beziehen sich auf sachliche Meinungsverschiedenheiten zu Arbeitsinhalten, Prozessen und Zielen. Dem gegenüber stehen Beziehungskonflikte. Letztere haben oft klar negative Folgen. Bei Aufgabenkonflikten ist das Bild differenzierter.
Mit ihrer Dissertation hat die Psychologin einen Beitrag dazu geleistet, die Auswirkungen von Aufgabenkonflikten besser zu verstehen – und gehörte außerdem zu den drei Finalist:innen des Adlershofer Dissertationspreises 2020. In der realen Welt sind Konflikte zwischen Kolleg:innen selten sauber getrennt. Im Labor ist es dagegen leichter möglich, reine Aufgabenkonflikte zu simulieren.
Über einen Zeitraum von mehreren Monaten wurden etwa 70 Versuchspersonen untersucht, die auf Videos von Konfliktsituationen reagierten. In einer anderen Studie führten die Probandinnen und Probanden Buch über Konflikte in ihrem normalen Arbeitsalltag und bewerteten diese anhand von standardisierten Skalen. Über ein sogenanntes „Empathiearmband“ wurden zudem die körperlichen Folgen des Konflikts per Knopfdruck gemessen. Die wichtigste Erkenntnis: Schon kleinste persönliche Spannungen führen in Aufgabenkonflikten zu einem negativen Ergebnis.
Mit dem Technologiepark Adlershof ist die Psychologin schon seit fast 15 Jahren eng verbunden. „2010 war hier noch nicht so viel los“, erinnert sie sich. Seitdem wurden viele ehemals leere Flächen mit Gebäuden gefüllt. Mauersberger mochte den Blick aus dem Fenster auf eine Wiese lieber. Dennoch hat sie für ihre Forschungsumgebung viel Lob übrig: „Ich habe hier am Lehrstuhl so viele Freiräume, ein tolles Team und eine fachlich äußerst versierte Chefin.“ Bevor sie Wissenschaftlerin wurde, verdingte sie sich unweit von Adlershof am Flughafen BER als Beraterin. Dort erlebte sie eine lustlosere Form der Büroarbeit, die die Wertschätzung für ihre heutige Tätigkeit nur noch verstärkt hat. „Meine Arbeit im Labor und mit den Proband:innen ist vielfältig, dazu kommt viel konzeptuelle Arbeit, die mir Spaß macht. Mein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Nachahmen von Emotionen, der sogenannten emotionalen Mimikry.“ Auch eine Arbeit über den Einfluss von Hunden auf Schmerzbewältigung hat sie verfasst. Die praktischen Implikationen ihrer Forschung sind eindeutig: Emotionstraining und die Förderung eines konstruktiven Konfliktklimas sind der Königsweg, um schädlichen Konflikten am Arbeitsplatz beizukommen.
Simon Wolff für Adlershof Journal
Dr. Heidi Mauersberger — Institut für Psychologie (hu-berlin.de)
