Zwei ERC Starting Grants für HU-Projekte
1,5 Mio. Euro Fördermittel erhalten jeweils Dr. Michael Kathan für das Projekt „CATENATOR: Fabricating Interlocked Nanochains with Molecular Machines“ und Dr. Maxime Le Calvé für „Aporia – Augmenting Poiesis: Relational Inquiries in the Age of AI
Dr. Michael Kathan, Wissenschaftler am Institut für Chemie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), erhält einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) für sein Forschungsprojekt „CATENATOR: Fabricating Interlocked Nanochains with Molecular Machines“. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe will er mit Hilfe von künstlichen molekularen Maschinen komplexe Molekülketten von definierter Länge und Sequenz aufbauen, die ausschließlich durch mechanische Bindungen zusammengehalten werden. So werden Molekülarchitekturen zugänglich, die mit heutigen Synthesemethoden nicht hergestellt werden können. Daraus könnten langfristig neue Möglichkeiten für die Wirkstoffentwicklung, die chemische Biologie und funktionelle Materialien entstehen. Dr. Michael Kathan: „Mit unserer bisherigen Forschung konnten wir zeigen, dass künstliche molekulare Maschinen Moleküle gezielt formen können. CATENATOR verfolgt nun ein neues Ziel: Wir möchten daraus eine allgemeine Synthesestrategie entwickeln, mit der sich komplexe Molekülketten kontrolliert aufbauen lassen. Langfristig könnte die mechanische Bindung damit neben der chemischen Bindung zu einem neuen Konstruktionsprinzip der organischen Synthese werden.“
Dr. Maxime Le Calvé, am Exzellenzcluster „Matters of Activity“ (MoA), erhält den ERC Starting Grant für sein Forschungsprojekt „Aporia –Augmenting Poiesis: Relational Inquiries in the Age of AI“. Im vom ERC geförderten Forschungsprojekt untersucht Maxime Le Calvé, ob und in welcher Weise KI-Technologien die gestalterischen Fähigkeiten des Menschen sowie das menschliche Wissen eher entwerten oder zu einer weiteren Qualifizierung beitragen. Im Beruf, beim Lernen oder in der Forschung gibt es immer wieder Situationen, für die zunächst keine Lösungen und Antworten gefunden werden können. Das setzt einen Prozess des Nachdenkens, der Kreativität und des Ausprobierens beim Menschen in Gang. Bei der Nutzung von KI-Werkzeugen, werden diese Schritte aber oft übersprungen. Die KI-Werkzeuge präsentieren klare Antworten, und bestimmte Sichtweisen, so dass ein Arbeitsprozess reibungslos fortgeführt werden kann. Die Wissenschaftler*innen werden für ihre Forschung die tägliche Anwendung von KI-Tools in den zunehmend digital geprägten Bereichen Design, Anthropologie und Neurochirurgie auswerten. Im Fokus steht dabei der Erkenntnisprozess und die Bedeutung der Momente von Verwirrung und des Nichtverstehens für das Verständnis eines Sachverhalts. Dafür entwickeln die Forscher*innen spielerische Experimente, in denen KI neben anderen Werkzeugen zum Einsatz kommt, ohne dabei fertige Lösungen zu liefern oder den Erkenntnisprozess zu dominieren.
Michael Kathan
Michael Kathan ist derzeit Emmy Noether Gruppenleiter an der HU und arbeitet daran, chemische Synthesen mithilfe molekularer Maschinen zu steuern. Zuvor forschte er bei Nobelpreisträger Prof. Dr. Ben Feringa an der Universität Groningen und promovierte bei Prof. Dr. Stefan Hecht, Institut für Chemie, an der HU. Er studierte Chemie an der Freien Universität Berlin und absolvierte einen Forschungsaufenthalt an der ETH Zürich. 2026 wurde Michael Kathan mit dem Sauvage-Stoddart-Feringa Junior Award ausgezeichnet.
Maxime Le Calvé
Maxime Le Calvé ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster „Matters of Activity“ der HU Berlin. Er hat einen gemeinsamen Doktortitel in Sozialanthropologie und Theaterwissenschaft der EHESS Paris und der Freien Universität Berlin erworben und war als Gastwissenschaftler an der University of Oxford und der Concordia University in Montreal tätig. Ab September 2026 hat er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster „Machine Learning“ der Universität Tübingen angetreten.
ERC Starting Grant
Der European Research Council (ERC) fördert bahnbrechende Projektideen von herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Forschungsfelder. Ausschlaggebendes Begutachtungskriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz des eingereichten Forschungsvorhabens und der Antragstellenden. Dabei fördert der ERC in verschiedenen Förderlinien für die jeweils passende Karrierestufe. Im ERC Starting Grant werden Forschende in einem Zeitfenster von zwei bis sieben Jahren nach Promotion, mit bis zu 1,5 Millionen Euro über maximal fünf Jahre gefördert.
Kontakt:
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Chemie
Dr. Michael Kathan
michael.peter.kathan@hu-berlin.de
Exzellenzcluster „Matters of Activity”
Dr. Maxime Le Calvé
maxime.le.calve@hu-berlin.de
Pressemitteilung der Humboldt-Universität zu Berlin vom 03.09.2026.
