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17. Dezember 2021

Forschungsbohrung in Adlershof brachte erste Bohrkerne nach oben

Das Projekt GeoFern untersucht die Eignung des Berliner Untergrunds für saisonale Wärmespeicherung

Blick in die Tiefe: An der Bohranlage der Geothermie-Forschungsbohrung in Berlin-Adlershof © Reinhardt & Sommer / GFZ
Alexej Dobrynin (links) und Ben Norden waschen den frisch gezogenen Bohrkern der Forschungsbohrung in Berlin-Adlershof © Reinhardt & Sommer / GFZ

Die Erkundungsbohrung des Deutschen GeoForschungsZentrums in Berlin-Adlershof hat am Montag, 13. Dezember, eine Tiefe von 300 Metern erreicht. Es wurden seit Bohrbeginn Mitte November bereits zahlreiche Bohrkerne gewonnen. Ziel des Projektes mit dem Titel Geothermische Fernwärmeversorgung Berlin (GeoFern) ist es, die Voraussetzungen für eine klimaschonende Fernwärmeversorgung Berlins mithilfe eines saisonalen geothermischen Aquiferwärmespeichers zu schaffen. Dazu muss das Gestein im Untergrund genau untersucht werden. Gesteinsproben in Form von Bohrkernen werden mithilfe des so genannten Seilkernbohrverfahrens aus der Tiefe nach oben gebracht und dann geologisch charakterisiert. Projektpartner ist die BTB Blockheizkraftwerks-Träger- und Betreibergesellschaft mbH Berlin, auf deren Gelände die Bohrung stattfindet.

Aquifere sind poröse, tiefe Grundwasserleiter, die über ein großes Potenzial für die saisonale Wärmespeicherung verfügen. Sie können während der Sommermonate überschüssige Wärme etwa aus der Produktion von Blockheizkraftwerken oder Industrieanlagen aufnehmen, die in Form von warmem Wasser dort hinuntergepumpt wird.

Im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts soll die Erkundungsbohrung in den kommenden Wochen bis in ca. 650 Meter Tiefe abgeteuft werden. Durch diese Erkundungsbohrung wird das geologische Verständnis über den Aufbau des tieferen Untergrunds Berlins verbessert, der aus diversen Sand-, Ton- und Kalksteinschichten besteht. So können Aussagen über die Speicherfähigkeit bestimmter geologischer Horizonte getroffen werden. Zusammen mit der BTB Blockheizkraftwerks-Träger- und Betreibergesellschaft werden darauf aufbauend Speicherkonzepte entwickelt, um saisonale Wärmespeicher in die vorhandene Fernwärmeversorgung zu integrieren.

Das GFZ untersucht neben der Eignung des Aquifers auch mögliche Wechselwirkungen des porösen Speichergesteins mit der Umgebung. Sowohl direkt vor Ort als auch in Laboren werden umfangreiche mineralogisch-geochemische Analysen durchgeführt.

Der Projektleiter Ali Saadat, Ingenieur und Wissenschaftler aus der Sektion Geoenergie am GFZ, sieht im Ausbau der Geothermie einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Energieversorgung Berlins und sagt: „Diese Erkundungsbohrung ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft einer klimaneutralen Wärmeversorgung der Stadt. Das geothermische Nutzungspotenzial muss signifikant erweitert werden, um im Energiemix eine größere Rolle zu spielen.“ Er führt weiter aus: „Wir brauchen zeitnah ein Konzept für eine nachhaltige Wärmeversorgung von Berlin. Daher müssen wir jetzt und zügig beginnen, den Untergrund von Berlin systematisch zu erkunden, um Erdwärme zukünftig verantwortungsvoll nutzen zu können.“

Ingo Sass, Leiter der GFZ-Sektion Geoenergie, fügt hinzu: „Die geothermische Erkundung mit Tiefbohrungen, geophysikalischen und anderen Methoden muss genauso normal für alle hier lebenden und arbeitenden Menschen werden, wie zum Beispiel das beständige Suchen und Bewerten der Photovoltaikindustrie nach Dachflächen und deren Eignung. Ohne eine raumgreifende Erkundung des urbanen Untergrundes nach geothermischen Nutzungsmöglichkeiten wird es kaum gelingen, die Ziele des Klimaschutzes zu erreichen. Ich bin froh, dass wir hier in Berlin mit dieser Aktivität anderen Ballungsräumen voraus sind. Allerdings ist die Gesamtkenntnis des Berlin-Brandenburger Untergrunds immer noch sehr beschränkt und es werden noch viele Bohrungen in der Hauptstadt nötig sein, um die Wissen- und Planungslücken zu schließen. Ohne Geothermie wird es keine Wärmewende geben.“
 

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Helmholtz-Zentrum Potsdam
Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Dr.-Ing. Ali Saadat
Sektion Geoenergie
Tel.: +49 331 288-1459
E-Mail: ali.saadat(at)gfz-potsdam.de

Prof. Dr. Ingo Sass
Leiter Sektion Geoenergie
Tel.: +49 331 288-1450
E-Mail: ingo.sass(at)gfz-potsdam.de

www.gfz-potsdam.de/sec48

 

Pressemitteilung GFZ Potsdam vom 16.12.2021