Rückenwind durch Karriereplanung
Das Förderprogramm „workhier!“ bietet internationalen Studierenden das nötige Rüstzeug
Wer tief in der Endphase der Doktorarbeit steckt, kann Unterstützung auf dem Weg ins Berufsleben gut gebrauchen. Die promovierte Umwelttechnikerin Janani Venkatraman Jagatha kann die Teilnahme am „workhier!“-Programm empfehlen.
Als sie 2013 aus der südindischen Großstadt Chennai nach Stuttgart kam, hatte sie noch keinen konkreten Plan. Nach ihrem Bachelor in Maschinenbau wollte Janani Venkatraman Jagatha im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit in Deutschland weiter studieren. Der englischsprachige Masterstudiengang in Umwelttechnik war für die damals 21-Jährige demnach genau das Richtige. Obwohl sie Deutsch für ihr Studium nicht brauchte, belegte sie parallel an der Universität einen Sprachkurs, allerdings mit mäßigem Erfolg, denn was sie auf der Straße hörte, hatte so gar nichts damit zu tun, was sie im Sprachenzentrum gelernt hatte: „Bis ich irgendwann begriffen habe, dass nur ich deutsch spreche und die anderen schwäbisch“, sagt Venkatraman Jagatha heute und lacht.
Nach dem Master kristallisierte sich heraus, dass „Luftqualität“ ihr Thema ist. „Da Deutschland über ein vergleichsweise stärkeres institutionelles Rahmenwerk, eine klare Ausrichtung auf Regulierung und einen besseren Zugang zu Forschungsfinanzierung verfügt“, wie Venkatraman Jagatha sagt, wollte sie hierbleiben und bewarb sich in Berlin an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Dort bekam sie die Möglichkeit, am Institut für Geographie im Projekt „Stadtklima im Wandel“ zu arbeiten und zu promovieren. Inzwischen spricht sie ein gutes Deutsch, hat ihre Doktorarbeit erfolgreich abgeschlossen und bereits eine neue Stelle gefunden: Seit Mai 2025 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Potsdamer Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (Research Institute for Sustainability, das an das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung angebunden ist, kurz RIFS) in der Arbeitsgruppe Luftqualität, Mobilität und Gesundheit. Im Projekt „KiezTransform“ untersucht sie städtische Luftverschmutzung, deren Zusammenhänge mit Stadtentwicklung und Verkehrspolitik sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen.
Bereits während der Endphase ihrer Promotion wurde Venkatraman Jagatha auf ein Karriereprogramm für internationale Doktorand:innen und Postdocs aufmerksam, das vom Center for Career Development Adlershof an der HU gemeinsam mit der WISTA Management GmbH, der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und dem Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) seit Anfang 2025 angeboten wird. Das Programm „workhier!“ richtet sich an internationale Studierende in der Endphase ihrer Promotion mit dem Ziel, hochqualifiziertes Personal aus den MINT-Fächern nicht in die Herkunftsländer ziehen zu lassen, sondern an den hiesigen Arbeitsmarkt zu binden. Sieben interaktive Veranstaltungen, die im Zeitraum von einem halben Jahr stattfinden, sollen Nachwuchsforschenden der Naturwissenschaften bei der Karriereplanung helfen, die eigenen Stärken zu definieren, sich auf dem Arbeitsmarkt besser zu orientieren, rechtliche und logistische Unterstützung zu erhalten und Kontakte zu deutschen Arbeitgebern zu knüpfen.
Als Partner mit an Bord sind u. a. die Wirtschaftsförderer Berlin Partner und die Bundesagentur für Arbeit, die sich an den Workshops, Netzwerkveranstaltungen oder Karriere-Coachings beteiligen. Obwohl Venkatraman Jagatha ihre Stelle schon vorher gefunden hatte, profitierte sie von der Nachwuchsförderung: „Das Programm hat mir sehr geholfen“, sagt sie. Sie war an einem Punkt, herauszubekommen, wohin es beruflich gehen sollte. Neben Infos über Visa, Niederlassungsunterlagen, Rechte oder die Wichtigkeit gewisser „Skills“, zu denen auch Deutschkenntnisse gehören, war die Möglichkeit, die eigenen Stärken im Coaching zu reflektieren und auszuloten, für sie bedeutsam. Ebenfalls interessant fand Venkatraman Jagatha die praxisnahen Trainings, in denen zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch oder ein Pitch simuliert wurde: „Es war gut zu merken, dass ich so meine Themen besser vermitteln kann. Und zugleich auch zu verstehen, wie Arbeitgeber denken und was für eine Firma wichtig ist, wenn sie jemanden suchen. Jetzt bin ich selbstbewusster.“
Inzwischen steht das „workhier!“-Programm allen offen, nicht nur internationalen Studierenden, sondern auch inländischen: Nach der positiven Resonanz auf den ersten Durchgang und der großen Nachfrage gibt es seit Beginn dieses Jahres ein Zusatzmodul für den deutschsprachigen naturwissenschaftlichen Nachwuchs.
Heike Gläser für Adlershof Journal
Programm workhier! Young Academics Career Program – WISTA Management GmbH
Dr. Janani Venkatraman Jagatha | Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit
