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10. April 2026

Smartphone-Schnelltest erkennt mikrobiell verunreinigtes Wasser in weniger als einer Minute

BAM-Forschungsteam entwickelt hochsensitives Nachweis­verfahren für Urobilin

Schwarzer Kasten mit einem Teststreifen, darauf liegt ein Smartphone, das grünes Licht anzeigt
Eine Smartphone-Kamera misst das Leuchten des Teststreifens in dem tragbaren Messgerät und ermöglicht so eine schnelle und unkomplizierte Analyse der Wasserqualität. © BAM

Mikrobiell belastetes Wasser stellt weltweit ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar – vor allem dort, wo Labore fehlen und schnelle Untersuchungen wichtig sind. Forschende der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) haben nun einen tragbaren Schnelltest entwickelt, der das Molekül Urobilin in äußerst geringen Konzentrationen nachweisen kann. Urobilin entsteht im Körper beim Abbau des Blutfarbstoffs, wird ausgeschieden und dient als natürlicher Hinweis dafür, dass Rückstände menschlicher oder tierischer Exkremente im Wasser vorhanden sind. Der neue Test liefert in unter einer Minute ein zuverlässiges Ergebnis und erleichtert so die schnelle Einschätzung der Wasserqualität direkt vor Ort.

Weltweit nutzen Milliarden Menschen Wasserquellen, deren hygienische Qualität unklar oder schwer zu überwachen ist. Klassische mikrobiologische Verfahren für die Analyse benötigen bis zu 24 Stunden, sind kostenintensiv und erfordern spezialisierte Labore für die Auswertung. Diese Verzögerungen erschweren eine sichere Trinkwasserversorgung, Entscheidungen bei Hochwasserereignissen oder in Regionen mit unzureichender Laborinfrastruktur. Genau hier setzt der neue BAM-Schnelltest an.

Das Forschungsteam hat ein hochsensitives Nachweisverfahren entwickelt, das das Indikatormolekül Urobilin – ein von allen Säugetieren ausgeschiedenes Stoffwechselprodukt – innerhalb weniger Sekunden sichtbar macht. Die Methode arbeitet mit einem speziellen Teststreifen, der beim Kontakt mit mikrobiell verunreinigtem Wasser leuchtet.

Das Besondere: Der Test lässt sich direkt mit einem Smartphone kombinieren. Eine kleine LED-Lampe in einem 3D-gedruckten Aufsatz des Testsets wird über das Handy mit Strom versorgt und die Smartphone-Kamera misst das Leuchten des Teststreifens. Zusätzliche Laborgeräte oder weitere Chemikalien sind nicht erforderlich.

So entsteht ein besonders einfaches „Drop-and-detect“-Prinzip: Ein einziger Tropfen Wasser genügt, um eine zuverlässige Analyse durchzuführen. Der Test zeigt in Vergleichsmessungen eine hohe Stabilität und Genauigkeit. Selbst sehr geringe Mengen des Indikatormoleküls können identifiziert werden – deutlich schneller und einfacher als bei herkömmlichen Analyseverfahren.

„Auch im Praxistest hat das System überzeugt: Der Schnelltest wurde erfolgreich an realen Wasserproben aus Flüssen sowie am Zu- und Ablauf einer Berliner Kläranlage überprüft“, erklärt Swayam Prakash, der den Schnelltest als Marie-Curie-Fellow an der BAM zusammen mit Knut Rurack, Experte für chemische und optische Sensorik, entwickelt hat. „Selbst unter komplexen Umweltbedingungen mit natürlichen Störstoffen konnte Urobilin zuverlässig nachgewiesen werden.“

Durch den Verzicht auf zusätzliche Arbeitsschritte oder Laborgeräte eignet sich das Verfahren besonders für Feldeinsätze, Entwicklungsregionen, Krisengebiete und mobile Überwachungsprogramme. Mit seiner Kombination aus Schnelligkeit, Empfindlichkeit und Benutzerfreundlichkeit erfüllt der neue BAM-Schnelltest zentrale Anforderungen moderner Wasserqualitätsdiagnostik und trägt zu einer verbesserten Grundversorgung weltweit bei.

Zugleich zeigt die Technologie, wie leistungsfähig zukünftige Lösungen in der Wasserüberwachung sein können: Da der Test digital ausgewertet werden kann und das System robust und sofort einsatzbereit ist, lässt es sich in vielen Bereichen nutzen, in denen kompakte und zuverlässige Technik besonders wichtig ist. Das aufgezeigte Innovationspotenzial bildet eine solide Grundlage für Weiterentwicklungen, die vor allem für Unternehmen in der Umweltanalytik, der mobilen Diagnostik und bei intelligenten Monitoring-Systemen interessant sein dürften.

Interview mit Marie-Curie Fellow Swayam Prakash: Smarte, tragbare Sensoren für sicheres Wasser (bam.de)

Publikation:

Rapid Onsite Detection of Fecal Contamination in Water Using a Portable Fluorometric Assay
Swayam Prakash, Jérémy Bell, and Knut Rurack
ACS Sensors 2026 11 (2), 1570-1578. DOI: 10.1021/acssensors.5c03922

Kontakt:

Dr. rer. nat. Knut Rurack
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Fachbereich: Chemische und optische Sensorik
+49 30 8104-1190
Knut.Rurack(at)bam.de

 

BAM-Pressemitteilung vom 02.04.2026

Analytik Außeruniversitäre Forschung Biotechnologie / Umwelt Grand Challenges Mikrosysteme / Materialien Photonik / Optik

Meldungen dazu

  • Durchsichtiger Chip, in den Kanäle eingefräst sind.

    PFAS-Nachweis in 15 Minuten

    BAM entwickelt Sensorsystem für schnelle Vor-Ort-Analysen
  • Symbolbild: Frau am Wasserspender. Quelle: BAM

    Innovatives Sensorsystem ermöglicht Echtzeit-Analysen von Trinkwasser

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  • Symbolbild: Abwasserrohr am Meeresufer. Bild: BAM © Adobe Stock/Planetz

    Neuer Ansatz zum Nachweis von Ewigkeitschemikalien im Wasser

    Ein Forschungsteam der BAM und der Universität Birmingham hat einen Sensor entwickelt, um PFAS im Wasser schnell und einfach nachzuweisen
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    Eine der empfindlichsten Methoden zur Chlorbestimmung

    BAM-Forscher entwickeln Verfahren zur Bestimmung von chlorierten Schadstoffen in Wasser mittels Molekular­absorptions­spektrometrie

Verknüpfte Einrichtungen

  • BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung

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