Zufallstreffen im All: JANUS-Kamera fotografiert interstellaren Kometen 3I/ATLAS
ESA-Jupitersonde kommt ungeplant in die Nähe eines Kometen, der tief aus dem interstellaren Raum kommt
Die Mission Jupiter Icy Moons Explorer (JUICE) sollte auf ihrer mehr als siebenjährigen Reise Richtung Jupiter eigentlich noch keine wissenschaftlichen Aufgaben erfüllen. Aber dann wurde im letzten Sommer ein Komet entdeckt: der interstellare Besucher 3I/ATLAS, auf seinem Weg ins innere Sonnensystem. JUICE war in einer hervorragenden Position, um den aktiven Kometen in der Nähe der Sonne zu beobachten. Unter anderem wurde das Kamerasystem JANUS aktiviert, nahm 120 Bilder von 3I/ATLAS auf und übertrug sie zur Erde. Die Bilder zeigen Details der Koma sowie weitere unterschiedliche Ausströmungen von Gas und Staub. Die Aufnahmen unterstreichen die herausragende Leistung der JANUS-Kamera, zu der das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wesentliche Hardware-Beiträge geleistet hat. JUICE ist eine Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Von der Erde aus konnte 3I/ATLAS auf seinem Weg um die Sonne ab Herbst 2025 nicht mehr beobachtet werden – ausgerechnet während der aktivsten und wissenschaftlich interessantesten Kometenphase. Dafür konnte die JUICE-Sonde einspringen, die von ihrer Position auf der anderen Seite der Sonne einen guten Blick auf 3I/ATLAS hatte. Der Betriebsplan der JUICE-Mission sieht eigentlich keine wissenschaftlichen Aktivitäten während der interplanetaren Reise zum Jupitersystem vor. Das Projektteam konnte dennoch kurzfristig eine Beobachtungskampagne entwerfen.
Zu den Instrumenten, die an der kurzfristigen Kampagne beteiligt waren, gehörte JANUS, die Multispektralkamera an Bord der Raumsonde JUICE. Das JANUS-Team konzipierte und führte zwischen dem 5. und 25. November 2025 eine Reihe von Beobachtungen kurz nach dem Periheldurchgang des Kometen durch. Das Perihel ist der Punkt, an dem der Komet der Sonne am nächsten ist. JANUS nahm mehr als 120 Bilder mit sieben Filtern im Spektralbereich von 380 bis 1.015 Nanometern (blau bis nahes Infrarot) auf. Die kürzeste Entfernung zum Kometen betrug 63 Millionen Kilometer.
„JANUS hat noch viel früher als geplant hervorragende Leistungen erbracht und sehr schwache Strukturen im Schweif des Kometen sowie eine genaue Radiometrie der helleren Koma in der Nähe des Kerns aufgezeigt“, sagt Dr. Ganna Portyankina vom DLR-Institut für Weltraumforschung in Berlin. Sie leitet als Co-Principal Investigator (PI) den Betrieb von JANUS gemeinsam mit PI Dr. Pasquale Palumbo vom Istituto di Astrofisica e Planetologia Spaziali in Rom.
Typisches Verhalten trotz interstellarem Ursprung
Aufgrund der Position der JUICE-Raumsonde und der Empfangsantennen auf der Erde wurde der Datensatz mit den Fotos erst am 19. Februar 2026 heruntergeladen. Die lange Wartezeit wurde mit hervorragenden Bildern belohnt, die zum ersten Mal die intensive Aktivität des Kometen kurz nach dem Perihel zeigen. 3I/ATLAS zeigte eine ausgedehnte Koma, in der sich der Kometenkern „versteckt“, sowie einen Schweif und verschiedene morphologische Strukturen wie Jets, jetähnliche Strukturen, Ströme, Filamente und Ablösungen, die sowohl in panchromatischen als auch in zusammengesetzten Farbbildern aufgenommen wurden.
Die Beobachtungen zeigen, dass sich 3I/ATLAS trotz seines interstellaren Ursprungs wie ein typischer Komet aus dem Sonnensystem verhält, wenn er sich der Sonne nähert. Der Datensatz wird eine detaillierte Untersuchung der morphologischen Strukturen, der photometrischen Intensität und der Entwicklung der Koma und des Schweifs auf kurzen und mittleren Zeitskalen ermöglichen. Die sogenannte Koma ist eine Staub- und Gaswolke, die den vermutlich maximal 5 Kilometer großen Kern von 3I/ATLAS und seinen Schweif umgibt.
Neben JANUS trugen vier weitere JUICE-Instrumente zu dieser Kampagne bei. Gemeinsam sammelten sie Informationen, die Aufschluss darüber geben werden, wie sich der Komet verhält und woraus er besteht. Die Wissenschaftsteams analysieren derzeit Spektrometriedaten, um die chemische Zusammensetzung des Kometen zu bestimmen, sowie Messungen zur Charakterisierung der physikalischen Eigenschaften der emittierten Partikel.
Weiterführende Links:
Kontakt:
Max Braun
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Presseredaktion
+49 30 67055-8311
www.dlr.de
DLR-Pressemitteilung vom 7. April 2026

