Zwischen Adlershof und Breslau
Networked Assets arbeitet seit fast 20 Jahren an den digitalen Grundfesten Europas
Gegründet wurde Networked Assets 2006 in Berlin aus einer sehr pragmatischen Idee heraus. Vier Freelancer, die immer wieder gemeinsam an Projekten arbeiteten, stellten fest, dass ihre gebündelten Fähigkeiten mehr waren als die Summe einzelner Kompetenzen. Aus dem losen Netzwerk wurde ein Unternehmen, aus Projekten wurden langfristige Kundenbeziehungen. Heute ist Grzegorz Kopij der letzte verbliebene Gründer. Er hat die operative Geschäftsführung inzwischen abgegeben, prägt das Unternehmen aber weiterhin als technischer Vordenker und CTO.
Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung war 2010 die Expansion nach Polen. In Berlin fehlten damals schlicht die passenden Fachkräfte, während rund um Breslau Universitäten, Talente und Wachstumspotenzial warteten. Was zunächst pragmatisch begann, ist heute ein eingespieltes deutsch-polnisches Set-up mit zwei Standorten und internationaler Ausrichtung.
Inhaltlich bewegt sich Networked Assets dort, wo Netzwerke kritisch werden. Das Unternehmen, das mittlerweile in der Mediacity Adlershof beheimatet ist, entwickelt Individualsoftware für komplexe Infrastrukturen – ursprünglich stark in der Welt der Telekommunikation, heute weit darüber hinaus. Ein Beispiel: Systeme, die europaweit Millionen Endgeräte überwachen, Störungen erkennen und im Idealfall beheben, bevor Kund:innen überhaupt zum Hörer greifen. Provisionierung, Netzwerkdiagnose, Automatisierung, Compliance – all das sind keine Schlagworte, sondern tägliches Geschäft.
Seit rund zwei Jahren verantwortet Robert Bluschke als Chief Commercial Officer den kommerziellen Bereich und den Standort Berlin. Er kennt die Perspektive der Kunden aus eigener Erfahrung: Viele Jahre arbeitete er selbst auf Auftraggeberseite, unter anderem als Architekt für Diagnose- und Troubleshooting-Systeme. Networked Assets war damals schon Dienstleister – heute gestaltet er die Marke von innen heraus. Marketing, Sales, Positionierung: Bluschke ist das Bindeglied zwischen Technik und Markt.
Was das Unternehmen dabei auszeichnet, fasst ein Begriff gut zusammen, der auch auf der Website steht: „Pragmatic Software“. Gemeint ist ein Ansatz, der nicht vom maximal Machbaren, sondern vom konkret Sinnvollen ausgeht. Lieber ein funktionierender Prototyp in zwei Wochen als ein perfekt geplantes Fünfjahresprojekt. Lieber die einfachste Lösung, die echten Mehrwert schafft, als technisches Overengineering. Diese Haltung prägt auch die Arbeitsweise: kleine, cross-funktionale Teams, kurze Iterationen, enger Austausch mit dem Kunden.
Organisatorisch setzt Networked Assets auf Diversität und Verantwortung. Mit Anna Matuszewska als Geschäftsführerin und Paulina Midura in der operativen Leitung ist das Management bewusst breit aufgestellt – in einer Branche, die noch immer stark männlich geprägt ist. Unterschiedliche Perspektiven sind kein Selbstzweck, sondern Teil des Erfolgsrezepts.
Der Blick nach vorn ist klar: Netzwerke werden überall relevanter – in der Energiebranche, in Smart Cities, in der Industrie. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen durch Regulierung und IT-Sicherheit. Networked Assets will genau hier ansetzen, mit skalierbaren, bezahlbaren Lösungen, auch für kleinere Akteure wie zum Beispiel Stadtwerke. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zunehmende Rolle, um Wissen schneller verfügbar zu machen und Entwicklung effizienter zu gestalten.
Nach 20 Jahren ist Networked Assets kein Konzern geworden – und wollte es auch nie sein. Stattdessen ein spezialisiertes Unternehmen mit Haltung: technisch tief, menschlich nah, pragmatisch im besten Sinne.
Rico Bigelmann für Adlershof Journal
