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09. Januar 2013

MINT gewinnt!

Schnupperpraktika für Lehramtsanwärter in den Forscheralltag

Bild: © Adlershof Journal
Unterricht in Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz: in MINT-Fächern, ist meist nicht sonderlich beliebt. Dabei ist wissenschaftlich interessierter Nachwuchs wichtig, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt. Doch das Blatt soll sich wenden – daran wirken auch Pädagogen, Wissenschaftler und Unternehmen in Adlershof mit. Ist der Unterricht nicht mitreißend, lassen sich unsere Kinder schlecht für ein Fach begeistern. Das gilt besonders für MINT-Fächer, die ohnehin einen schweren Stand haben. Teil des Problems ist der klassische Bildungsweg eines Lehramtsstudierenden: Schule, Hochschule, Schule. Praxis? Fehlanzeige! Hilfreich ist da, angehende Lehrer als Praktikanten in den Alltag von Forschern und Wissenschaftlern in Adlershofer Firmen und Forschungsinstituten schnuppern zu lassen. Dafür sorgt das ProMINT-Kolleg der Humboldt-Universität zu Berlin. „Ziel des Projektes ist, die Lehrerausbildung in MINT-Fächern zu verbessern und diese sowohl für Schüler als auch für potenzielle Lehrkräfte attraktiver zu machen“, erklärt Nora Butter, Geschäftsführerin des Pro-MINT-Kollegs. Die Fachdidaktiker ergründen theoretisch, warum der Funken bei Schülern so selten überspringt, etwa im Rahmen von Promotionen, die klären sollen, wie Schulkinder Erkenntnisse gewinnen oder auch ab wann und warum das Interesse am Fach Physik verloren geht. Und für die Praxis werden fach- und schulstufenübergreifende Lernmodule erarbeitet. „Uns geht es um neue Unterrichtsformen, durch die Inhalte alltagsnah und spannend vermittelt werden“, sagt Butter. Mit abstrakter Theorie gelingt das nicht. Auch deshalb legen die Didaktiker so viel Wert auf die vierwöchigen Praktika für Lehramtsanwärter in Adlershofer Firmen und Instituten, wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR. Butter: „Die klassische Lehrerbiografie soll so abwechslungsreicher und praxisnäher gestaltet werden.“ Realitätsbezug, der fasziniert, wovon später der Unterricht profitiert. Das wünscht sich auch Helmke Schulze, Schulleiterin des Friedrichshainer Dathe-Gymnasiums und Leiterin des „Jugend forscht“-Regionalwettbewerbs Berlin-Süd. „Wir brauchen gut ausgebildete, von ihrem Fach begeisterte Lehrer – doch die fehlen“, bedauert sie. Denn übermäßig attraktiv empfinden die wenigsten Abiturienten ein Lehramtsstudium in den MINT-Fächern. Für Schulze kein Wunder in einer Gesellschaft, in der es fast schon schick ist, einen Bogen um Naturwissenschaften zu machen, und in der die Lehrpläne bis zur 10. Klasse deutlich weniger Stunden dafür als für andere Fächer vorsehen. „Ausbildungsbetriebe und Universitäten erwarten aber ein hohes Niveau, wodurch es viele Abbrecher gibt“, sagt Schulze. An den Lehrplänen kann sie nichts ändern, aber daran, Kindern dennoch Naturwissenschaften nicht nur als bloße Pflicht näherzubringen. Daher auch ihr Engagement für „Jugend forscht“: „Das ist ein starkes Zugpferd, um außerhalb des Unterrichts Leidenschaft für Technik und Wissenschaft zu wecken.“ Gut wäre daher, das zeitintensive Engagement stärker in der Schule zu verankern, etwa indem die Leistung teilweise für Prüfungen anerkannt wird. Was jetzt schon gut funktioniert, ist die Kooperation mit der WISTA-MANAGEMENT GMBH als Patenunternehmen von „Jugend forscht“. So fungieren zahlreiche Forscher und Unternehmer ehrenamtlich als Juroren, die die Ideen des Nachwuchses begutachten. „Es kommt immer darauf an, die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammenzubringen, damit sich gute Netzwerke bilden“, bemerkt Schulze. Denn wer weiß: Vielleicht weckt schon die ein oder andere Idee Interesse oder wird der ein oder andere Kontakt für später geknüpft – für den Tag, an dem aus kreativen Kindern Erstsemester in einem MINT-Fach geworden sind. Von Chris Löwer für Adlershof Journal

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