Die Mentorin
Tabea Tauscher experimentiert im DLR_School_Lab Berlin gemeinsam dem Nachwuchs
Sie war sieben Jahre jung, als der deutsche Geophysiker Alexander Gerst 2014 nach einem halben Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS zur Erde zurückkehrte. Tabea Tauscher „inhalierte“ damals ohnehin die „Sendung mit der Maus“, als diese jedoch in mehreren Sonderfolgen die Weltraummission vorstellte, war das für sie unvergesslich: „Die haben es geschafft, komplizierte Themen einfach und verständlich darzustellen. Das fand ich toll als Kind.“
Geblieben ist eine anhaltende Begeisterung für Weltraumforschung. Dazu die Überzeugung: „Wenn etwas spannend ist, lassen sich Menschen für vieles begeistern.“ Seit Anfang September 2025 absolviert die heute Achtzehnjährige ein Bundesfreiwilligenjahr als Mentorin im Adlershofer Schülerlabor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und arbeitet daran, einer noch jüngeren Generation naturwissenschaftliche Themen zu vermitteln.
Das DLR_School_Lab Berlin ist ein Versuchs- und Lernraum. An mindestens vier Tagen in der Woche sind Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis dreizehn zu Besuch. Die Kinder und Jugendlichen nehmen, aufgeteilt in jeweils kleinere Gruppen, an verschiedenen Experimenten aus den Arbeitsgebieten der Adlershofer DLR-Institute teil, die sich über die Luft- und Raumfahrt bis zur Verkehrs- und Energieforschung erstrecken.
Da geht es etwa darum, mit spektroskopischen Verfahren die Zusammensetzung von analogem – also künstlich hergestelltem – Mond- oder Marsgestein zu ermitteln. Zu untersuchen, wie sich der Lärmausstoß von Flugtriebwerken verringern lässt. Nachzuvollziehen, wie eine Brennstoffzelle funktioniert. Hauchdünne Scheiben aus Meteoritenmaterial unters Mikroskop zu legen. Mit dreidimensionalen Bildern der Marsoberfläche zu arbeiten, die von einer europäischen Satellitenkamera stammen – „bei uns am Standort entwickelt“. Im Angebot sind dreiundzwanzig unterschiedliche Experimente. An Nachfrage fehlt es nicht. Bis Anfang 2027 ist das Schülerlabor ausgebucht.
Als Tauscher hier anfing, war das DLR für sie schon kein Neuland mehr. Als Schülerin an einem Gymnasium in Potsdam-Babelsberg – Leistungskurs Physik, AG Chemie – hatte sie im Januar 2022 ein Praktikum am DLR absolviert. Unter coronabedingten Einschränkungen: Die Praktikantin experimentierte unter Anleitung allein vor sich hin. Dennoch eine wichtige Erfahrung: „Ich habe festgestellt, dass jede Menge Leute genauso fasziniert sind, das Universum zu entdecken, wie ich selbst. Das war ein schönes Gefühl.“
Anderthalb Stunden dauert die Fahrt von Tauschers Wohnort Nuthetal in die Adlershofer Rutherfordstraße. Sie fühlt sich mittlerweile heimisch an diesem Ort der Spitzentechnologie.
Das Leben der jungen Frau bereichern auch noch „Sachen, die nichts mit Luft- und Raumfahrt zu tun haben“. Singen ist eine davon. Seit vielen Jahren ist sie Mitglied in einem Kinder- und Jugendchor, mit dem sie bereits an Opern mitgewirkt hat, zudem in einem Jugendkammerchor. Beide Ensembles bilden die Nachwuchsreserve der Potsdamer Singakademie. Außerdem übt sich Tauscher in asiatischen Kampfsporttechniken. Im August 2026 endet ihr Freiwilligendienst. Und dann? Sie will studieren, „auf jeden Fall eine technische Richtung“. Die Zukunft wird es weisen.
Dr. Winfried Dolderer für Adlershof Journal
