Luftfahrtenthusiast und Guide durch die wechselvolle Geschichte Adlershofs: Im Gespräch mit Hans-Dieter Tack

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11. Juli 2018

Luftfahrtenthusiast und Guide durch die wechselvolle Geschichte Adlershofs

Im Gespräch mit Hans-Dieter Tack

 Hans-Dieter Tack

Er ist ein Luftfahrtenthusiast. Einer, der selbst nicht abhebt, sondern den die Technik des Fliegens begeistert. Dass er für die Luftfahrt brennt, wissen alle, die ihn als Guide seiner außergewöhnlichen Streifzüge durch die wechselvolle Historie Adlershofs erlebt haben. Der jung gebliebene 78-Jährige erklärt Besuchern, wie das Gelände rund um den ersten Motorflugplatz Deutschlands in Johannisthal/Adlershof zum Mekka der europäischen Aviatiker wurde, zeigt beeindruckende technische Denkmale wie Windkanal oder Trudelturm und schließt den Geschichtsbogen auf der Tour mit den heutigen Innovationen im Technologiepark Adlershof. Tack ist Mitglied der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte (GBSL), seit über 20 Jahren auch stellvertretender Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, der in Adlershof angesiedelt ist. Aktiver kann ein Ruheständler kaum sein.

Woher rührt Ihre Leidenschaft für die Luftfahrt?

Meine Großeltern hatten einen Handwerksbetrieb. Ich habe feilen gelernt, bevor ich lesen oder schreiben konnte. Vielleicht bin ich deshalb Flugzeugschlosser geworden. Im Werk Maschinen- und Apparatebau (MAB) Schkeuditz habe ich Mitte der 1950er Jahre das Seitenruder für die „152“, Deutschlands ersten Verkehrsjet, mitgebaut. Mein Studienwunsch als Ingenieur für Flugzeugtechnik wurde in der DDR umgelenkt in Verfahrenstechniker. Das Luftfahrtthema hat mich trotzdem nie ganz losgelassen. 1994 habe ich dann die GBSL auf einem Informationsstand am Flughafen Berlin-Tempelhof kennengelernt und bin seitdem in diesem Verein aktiv.

Haben Sie einen Flugschein?

Nein, selber zu fliegen reizt mich nicht.

Was hat die GBSL seit ihrer Gründung 1991 erreicht?

Wir haben bis heute 3.200 Stätten der deutschen Luft- und Raumfahrtgeschichte erfasst. Das sind Flughäfen und -plätze, Produktions- und Teststätten, Denkmale bis hin zu Grabstätten bedeutender Luftfahrtpioniere. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man bei der Recherche dazu wieder ein Puzzleteilchen findet und dokumentieren kann. Wir geben eine eigene Schriftenreihe raus, beteiligen uns an Messen und Ausstellungen, halten Vorträge …

… und dann gibt es noch die Führungen zur Geschichte Adlershofs?

Ja, seitdem die GBSL 2012 ihren Vereinssitz von Schönefeld in den Technologiepark Adlershof verlegt hat, haben wir 255 Führungen durchgeführt. Dazukommen noch die stark nachgefragten Windkanal-Besichtigungen anlässlich der Langen Nacht der Wissenschaften. In Summe haben wir über 10.000 Menschen die technischen Luftfahrtdenkmale und die Chronik des Innovationsstandortes Adlershof nahegebracht. Wenn man andere für etwas begeistern möchte, muss man selber für das Thema brennen. Das machen alle unsere Guides. Die staunenden Blicke und das positive Echo der Teilnehmer der Führung sind dann Belohnung für unsere ehrenamtliche Tätigkeit.

Was ist das nächste geplante Highlight?

Am 6. Februar nächstes Jahr ist der 100. Jahrestag des Beginns der Zivilluftfahrt, mit Start in Adlershof/Johannisthal. Das wollen wir gebührend rausstellen und erarbeiten derzeit ein Konzept dafür. Ein weiterer 100. Jahrestag: Auch der weltweit erste Sonderflug zu einer Messe ist im Herbst 1919 von Adlershof aus gestartet. Außerdem arbeiten wir gemeinsam mit dem International Council on Monuments and Sites (IKOMOS) an der Idee, die Adlershofer Windkanäle ins Weltkulturerbe einzubringen.

Woher kennen Sie Adlershof?

Ich war lange Jahre technischer Direktor eines Chemiekombinats, erst in Leipzig, später in Berlin. Damals hatte ich bereits Kontakte zur Akademie der Wissenschaften der DDR in Adlershof. Aber mein richtiger Einstieg in Adlershof begann erst 1995, als ich an der Organisation der letzten Flugschau auf dem Flugplatz Johannisthal beteiligt war.

Was ist Ihr Lieblingsdenkmal in Adlershof?

Da muss ich nicht lange überlegen, das ist der Große Windkanal. Auch weil mein Lieblingsfachgebiet seit Studientagen die Strömungslehre ist.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit außerhalb des Luftfahrtthemas?

Ich interessiere mich für Architektur, gehe gern in klassische Konzerte – bevorzugt ins Leipziger Gewandhaus, mag es zu wandern, sammle Stadtchroniken, schreibe Bücher. Und dann sind da noch meine drei Enkelinnen, auf die ich stolz bin.

Welchen Wunsch möchten Sie sich noch erfüllen?

Als Architekturfan möchte ich gern mal das Opernhaus in Sydney, Australien, sehen.

 

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

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